Klassensprecher, tu doch was!

Klaus Peukert » 23 August 2012 » in Rants » 8 Kommentare

Die "Nukularia" druckt einen "Atomkraft ist geil"-Flyer und gefühlt die halbe Partei läßt sich von dem Unsinn trollen. Schlimmer noch, weil die offensichtliche Mehrheitsmeinung der Partei eine andere ist, sollen nun Ordnungsmaßnahmen, Flyerverteilverbote und ein Statement nachm anderen her.

Der Bundesvorstand hat sich in seiner Sitzung vom 1.8.12 zu dem Thema (auf Grund verschiedener Anträge) beraten und dabei folgendes zu Protokoll gegeben:

"Der Bundesvorstand stellt fest, dass Äußerungen der AG Nuklearia nicht der offiziellen Mehrheitsmeinung der Piratenpartei Deutschland entsprechen." (http://vorstand.piratenpartei.de/2012/08/09/mitschrift-sitzung-2012-08-01/ - TOP 4 - vorletzter Anstrich)


Ansonsten verweise ich, was mich angeht, auf meine in der Sitzung getroffenen Aussagen, denen ich nichts hinzuzufügen habe.

Es ist jetzt an denen, die die Mehrheitsmeinung vertreten (sehen) wollen, dies auch zu tun. Leider finde ich bspw. auf der Webseite der AntiAtomPiraten kein konkretes Statement zu den Flyern, sondern nur auf Twitter u.ä. den Ruf nach Ordnungsmaßnahmen oder anderen  Aktionen des Vorstandes, der hier als "Klassensprecher" agieren soll.

Und nein, weil wir den Nukularia-Leuten nicht persönlich die Flyer um die Ohren hauen, bedeutet das *nicht*, das der Bundesvorstand jetzt plötzlich erlaubt, mit einem "Free Horst Mahler"-Flyer hausieren zu gehen, wie es ein paar Blitzbirnen auf Twitter vorgeschlagen haben. Und nein, Naziflyerersteller anders anzupacken als die Nukularia ist auch keine Willkür.

Ruft doch bitte nicht nach dem großen Vorstandsbruder, der Eure Lieblingsposition mit Blut und Ketten verteidigen soll, sondern stellt Euch dem demokratischen Wettbewerb der Positionen. Mit einer klaren und deutlichen Haltung zu unserer Mehrheitsmeinung wird nachhaltiger deutlich, wo der Hase lang läuft, als mit einem streisandesken "Der Flyer darf unter PAV-Androhung nur parteiintern verteilt werden".

Ein piratenhassender NGO-Aktivist hat 1.000 Flyer bei der Nukularia bestellt um damit Piraten zu dissen? Ja, und? Wir sind nicht plötzlich Atomkrafttransmutationsesoterik-Fans, nur weil ne Handvoll Parteimitglieder ihren kruden Kram auf totes Holz druckt. Wo ist Euer Selbstbewußtsein darob, das den Kram niemand ernstnehmen wird? "Rentner-Uwe" nimmt doch auch keiner für voll.

Macht doch das mit der Politik statt dem Klassensprecher.

Wir reden immer davon, das wir die Bürger ernst nehmen sollen und dann trauen wir ihnen nicht zu, zu erkennen, das die Piratenpartei den Vergnügungspark Kalkar nicht zu einem AKW zurückbauen will, sondern klar und deutlich für den Ausstiieg aus der Atomkraft ist? Können sie nicht? Dann macht es ihnen deutlich. Ihr habt es in Eurer Hand.

Und ganz persönlich würde ich mir dieses Engagement und diese "klare Kante" mal wünschen, wenn mal wieder rechtsauslegende Lasergehirne, Verschwörungsesoteriker und ähnliche Kanaillien Verbaldiarrhöe haben, entgegen Programmatik und Beschlüssen handeln und reden oder gar Vorstandsposten bekommen, aber trotzdem mit der "Meinungsfreiheit"-Keule verteidigt werden.

Aber die basteln halt auch keine Flyer, wa?

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8 Kommentare zu "Klassensprecher, tu doch was!"

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  1. Kine
    23/08/2012 um 17:27 Permalink
    Hallo Tarzun,

    ich lese mit Verwunderung diesen Blogpost. Wir hatten Dich - bevor Du diesen Blogpost geschrieben hast - bereits auf unsere inhaltlichen Stellungnahmen hingewiesen. Wie zum Beispiel: https://twitter.com/Kine_H/status/238607357167407104 & https://twitter.com/sleeksorrow/status/238607469121781761 .

    VG
    Kine
    - AntiAtomPiraten -

    Antwort

  2. Sleeksorrow
    23/08/2012 um 19:55 Permalink
    Ich werd Dir mal was sagen: Ich finde es unanständig bis hin zur Heimtücke, daß Du hier unter anderem meine Aussagen im Sinn um 180 Grad verkehrst, und das auch noch ohne Quellenangabe. Wobei, ist klar, die Quellenangabe würde Deinen Rant hier ja Lügen strafen.

    Aber dennoch sind sie da draußen:

    https://twitter.com/sleeksorrow/status/238614348224950272
    https://twitter.com/sleeksorrow/status/238614608628314113

    Es ist hier eine Diskussion darüber, was getan werden kann, um sich dagegen zu wehren. Und was machst Du? Nachdem Dein billig hingeschnoddertes "Redet halt mit ihm" natürlich nicht weiterhalf, denn - Hey, News! - wir sind klar denkende Menschen, die natürlich zuerst den Dialog mit den Beteiligten suchen, kam von Dir nur noch warme Luft, dafür aber mit erhöhter Ausrufungszeichenquote.

    Und dann dieser Rant? Das ist Deine Meinung zu diesem Problem im Speziellen und der Problematik im Allgemeinen? Das ist erbärmlich.

    Die Anti Atom Piraten sollen doch einen Artikel schreiben, der die Gegenmeinung darstellt. Oh, hoppla. Auch das haben sie schon gemacht: http://www.anti-atom-piraten.de/2012/08/wie-stehen-die-antiatompiraten-zu-neuen-reaktortypen/. Kannste aber oben natürlich nicht zugeben. Würden ja den Rant versauen, diese dummen, dummen Fakten.

    Und dann: 'Und ganz persönlich würde ich mir dieses Engagement und diese "klare Kante" mal wünschen, wenn mal wieder rechtsauslegende Lasergehirne, Verschwörungsesoteriker und ähnliche Kanaillien Verbaldiarrhöe haben'.

    Damit unterstellst Du ganz exakt Kine und mir, uns nicht gegen Rechts zu engagieren! Ja, genau uns, weil wir mit Dir kurz davor über dieses Problem diskutiert haben! Das ist das widerlichste, das ich bis jetzt von Dir gehört habe. Und das heißt was, denn bevor Du damals einsahst, daß Du nur wie ein dummer Troll durch den Steinbruch gestolpert bist, und alles angepimmelt hast, was gewagt hat, zu laut zu atmen, hast Du mir schon einiges in die Fresse geschlagen. Aber das toppt das alles. Und weshalb? Nur, weil Du keinen Bock hast, Dir über dieses Problem Gedanken zu machen, aber zu feige bist, das einfach offen zuzugeben, willst Du uns mit der Nazikeule totschlagen?

    Deine "Ich vergleiche alles, was mir nicht gefällt, mit dem Kampf gegen Rechts" ist genau eines: Relativiered gegenüber Rassismus. Genau das, was Du immer anprangerst, ziehst Du sofort aus dem Hut, wenn es Dir dazu dient, andere mundtot zu machen. Beispiel: Oben, oder https://twitter.com/tarzun/status/238590056837816320

    Und außerdem bedeutet es: "Bevor ihr nicht die ultimative Lösung gegen Rassismus gefunden und umgesetzt habt, habt ihr kein Recht, irgend ein anderes Problem zu besprechen (es sei denn, ich erlaube es)". Das ist Deine Ansicht von Demokratie? Das ist Deine Ansicht von Mitmachpartei?

    Und jetzt nochmal zum mitmeißeln: Die Nuklearia darf sagen, was sie will, solange es legal ist. Sie dürfen es intern und extern sagen, auf Flyer drucken oder Plakate erstellen, und wegen mir dürfen sie es auch auf dem Mars dem Curiosity erzählen. Aber es muß einen Weg geben, sich dagegen wehren zu können, wenn sie es überschreiben mit

    "PIRATEN FÜR MODERNE UND SICHERE KERNENERGIE"

    Daß das gelogen ist, ist Faktenlage. Das Bundesprogramm sagt "Umstellung von endlichen Energieträgern auf generative und regenerative Energiequellen" (http://www.piratenpartei.de/politik/lebenswerte-umwelt/energiepolitik/), das Positionspapier von Chemnitz führt dies konsequent für den Unterbereich Kernenergie aus mit "Die Piratenpartei Deutschland lehnt die Stromerzeugung durch Kernspaltung ab. Die Piratenpartei Deutschland will als Minimalforderung an dem beschlossenen Atomausstieg festhalten." (http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2010.2/Antragskommission/Antr%C3%A4ge_2010.2/2010-10-21_-_Atomausstieg/Sicherheit_kerntechnischer_Anlagen)

    Und Du hast nichts besseres zu tun, als diejenigen, die sich Gedanken darüber machen, wie man dieser Rufschädigung entgegen treten könnte, 2 lausige, bereits versuchte, Scheinlösungen hinzurotzen, und sie danach als Rassismus-Relativierer zu verunglimpfen, und damit selbst Rassismus zu relativieren?

    Das solltest Du Dir nochmal gut durch den Kopf gehen lassen. Und das meine ich ernst. Überlege Dir, ob Du bei Themen, die Dich derart ankotzen, nicht einfach mal die Kresse hältst, anstatt zu versuchen, die Diskutanten zu erschlagen.

    Antwort

  3. Ineluki
    24/08/2012 um 10:54 Permalink
    Ich frage mich, was an der Aussage "PIRATEN FÜR MODERNE UND SICHERE KERNENERGIE" falsch ist ? Es sind Piraten, denn die AG Nuklearia ist eine offizielle AG der Piratenpartei. Und dass sie fuer moderne und sichere Kernenergie sind, ist ihre feste Ueberzeugung.

    In dem Flyer der AG Nuklearia ( http://wiki.piratenpartei.de/AG_Nuklearia/Flyer/Wohin_mit_dem_Atomm%C3%BCll ) steht nirgends, dass es sich um die Meinung der Partei handeln wuerde. Auf der Rückseite des Flyers steht in grossen Lettern "Nuklearia" als Referenz des Flyers, und darunter die Erklährung "Wir sind eine Gruppe innerhalb der Piratenpartei, die in der Kernenergie eine wesentliche Säule künftiger Energieversorgung sieht." Eine GRUPPE in der Piratenpartei. Nicht die ganze Partei selber. Dies ist eine deutliche Kennzeichnung als Teilmenge der Piratenpartei. Desweiteren ist der Flyer mit dem impressalischen Vermerk "V.i.S.d.P.: Rainer Klute, AG Nuklearia,
    Piratenpartei Deutschland, Körner Grund 24, 44143 Dortmund,
    rainer.klute@nuklearia.de Äußerungen der AG Nuklearia entsprechen nicht
    notwendigerweise der Mehrheitsmeinung (soweit vorhanden) der Piratenpartei Deutschland." versehen. (Fun Fact: Diese drei Stellen sind auch die einzigen, an denen im Flyer ueberhaupt das Wort "Piratenpartei" auftaucht.) Auch hier steht deutlich zuerst die AG, welche korrekter Weise eine offizielle AG der Piratenpartei ist, gefolgt von der Privataddresse von Rainer Klute, und nicht etwa die Addresse des Parteihauptsitzes. Ebenso wird explizit erwaehnt, dass die Meinung der AG Nuklearia nicht der (u.u. sogar abgestimmten) Mehrheitsmeinung der Piratenpartei entspricht. Auf dem Flyer findet sich an keiner Stelle das offizielle Piratenparteilogo, lediglich die Insigille der Piratenflagge taucht als Wasserzeichen nahezu unerkennbar im Texthintergrund auf. Auf jegliche weitere Symbolik, welche mit der Partei in Zusammenhang gebracht werden koennte, wurde bewusst verzichtet.

    Wie man daraus ablesen kann, hier solle eine parteiliche Mehrheitsmeinung vorgetaeuscht werden, ist mir schleierhaft. Auf diesem Flyer finden sich deutlich mehr offensichtliche Abgrenzungen zur Parteimeinung als auf dem Durchschnittsflyer anderer AGs

    Ich will natuerlich nicht verhehlen, dass ich aktives Mitglied der AG Nuklearia, und dadurch moeglicher Weise in der Auslegung der einen oder anderen Formulierung vorbelastet bin. Was haette man denn besser machen koennen ? Wie haette man sich - wirklich ganz konstruktiv - deutlicher abgrenzen sollen, ohne die eigenen Aussagen durch ueberdeutliche Abgrenzung ins laecherliche zu ziehen ? Selbst der Verweis auf die Abweichung zur Mehrheitsmeinung der Partei enthaellt ja schon den expliziten Hinweis, die Mehrheitsmeinung zu einigen Punkten nicht nur latent sondern sogar abgestimmt vorliegt.

    Aber gerade weil ich ein aktives Mitglied der AG Nuklearia bin, verwundert mich folgende Aussage von dir: >>Nachdem Dein billig hingeschnoddertes "Redet halt mit ihm" natürlich nicht weiterhalf, denn - Hey, News! - wir sind klar denkende Menschen, die natürlich zuerst den Dialog mit den Beteiligten suchen, kam von Dir nur noch warme Luft, dafür aber mit erhöhter Ausrufungszeichenquote.

    Antwort

  4. Ineluki
    24/08/2012 um 10:59 Permalink
    Irgendwie wurde nach dem Zitat der Rest meines Kommentars abgeschnitten. Hier geht es weiter ...

    Quote ...

    Ich habe von einem friedlichen Kontaktversuch jedenfalls nichts mitbekommen. Es gab zwar auf Twitter einen teilweise unschoenen Shitstorm, wo versucht wurde, mit Formalfoo um sich zu werfen, aber ob du dabei warst, kann ich beim besten Willen nicht sagen, und wenn doch, dann ist das jedenfalls nichts, was ich unter einer "Dialogsuche von klar denkenden Menschen" verstehen wuerde. Aber vielleicht hab ich es ja auch nur nicht mitbekommen, mit wem hast du denn versucht, Kontakt zu knuepfen, und was ist schief gegangen ?

    Vielleicht beruht deine gescheiterte Kontaktaufnahme ja auf einem Missverstaendnis ? Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklaehren, dass dir nicht bekannt ist, dass der Flyer vornehmlich zur innerparteilichen Aufklaehrung fuer den BPT und andere Piratenveranstaltungen gedacht war, er jedoch, weil wir unsere piratige Grundsatzforderung nach Transparenz sehr ernst nehmen, fuer alle zum Download, selber drucken und bestellen auf unsere Wikiseite gestellt wurde. Auch das ist, was wir als gelebte Transparenz sehen.

    Nun gab es Stimmen, dass wir parteischaedigend gehandelt haetten, weil wir einem Nichtpiraten 100 Flyer geschickt haben, fuer die er uns das Geld im Voraus ueberwiesen hat. Aber was haetten wir machen sollen ? Auf unserer Wikiseite steht getreu unseren piratigen Grundsaetzen, dass sich jeder informieren darf und auch auch jeder bestellen, ob Pirat oder nicht. Wenn wir nun nach gutduenken sagen: "Du kiegst den Flyer, du aber nicht", was waere das fuer ein Transparenzansatz ? Ausserdem haette sich die betreffende Person ohnehin den Flyer downloaden und selber im Druckstudio drucken lassen koennen.

    Wenn wir als Partei den Anspruch von Transparenz haben, muessen wir auch damit professionell umgehen, dass Leute unsere oeffentlichen Informationen dazu benutzen koennten, uns das Wort im Munde umzudrehen. Das ist dann aber nicht die Verfehlung der Piratenpartei .. und auch nicht der AG Nuklearia. Dann muss man eine Gegendarstellung schreiben und versuchen, das Problem aus der Welt schaffen, ohne dabei seine Prinzipien zu verraten. Denn viel schlimmer waere es, wenn wir die Informationen nicht anbieten wuerden, und man uns dann zurecht vorwerfen koennte, wir wuerden unser Grundsatzprogramm in Sachen Transparenz verraten. Meinst du nicht auch ?

    Aber zurueck zur Inhaltlichen Diskussion: Du wirfst uns vor, die AG Nuklearia wuerde mit ihrem Flyer und ihren Thesen gegen abgestimmte Positionen der Piratenpartei verstossen. Ich moechte, mit allem Respekt, diese Behauptung zurueck weisen und mich erklaeren:

    Die Positionspapiere, welche in Chemnitz verabschiedet wurden, sowie das EU-Wahlprogramm von 2009 bekraeftigen den Atomausstieg und begruenden diese Entscheidung mit Problemen bei der Endlagerung von Atommuell, Umweltverschmutzung beim Uranabbau, Sicherheitsrisiken der Atomkraftwerke auf Grund von Ueberdruck und der Notwendigkeit einer aktiven Kuehlung sowie der Moeglichkeit zur produktion Waffenfaehigen Materials. Forschung, insbesondere zum Abbau von Atommuell, der Vermeidung obiger Risiken sowie der medizinischen Anwendung, sind jedoch davon ausgenommen und sogar gewollt.

    Und genau hier sieht sich die AG Nuklearia gefordert und beheimatet. Entgegen des weitverbreiteten Geruechtes fordern wir eben NICHT eine Abkehr vom Atomausstieg, im Gegenteil. Auch wir fordern, am Atomausstieg aus obigen Gruenden, wie sie in den Positionspapieren genannt werden, festzuhalten, wollen aber den Atomausstieg auf Leichtwasserreaktoren beschraenkt sehen. Nun hoere ich bereits den Aufschrei, dass dies doch den Atomausstieg zu nichte machen wuerde. Wenn man allerdings bedenkt, dass in Deutschland ausschliesslich Leichtwasserreaktoren betrieben werden, so ist die von uns und vom Volk gewollte Zielsetzung die selbe: Die alten Meiler sollen weg ! Genau weil sie oben beschriebene Probleme aufweisen.

    Worin besteht nun aber der Unterschied ? Eine relativ unbekannte Tatsache ist, dass es auch andere Reaktortypen jenseits der Leichtwasserreaktoren gibt. Die AG Nuklearia favorisiert insbesondere 2 Designs (IFR und MSR), welche die oben genannten Probleme nicht oder nur in deutlich geringerem Masse aufweisen, dafuer aber deutliche Vorteile bieten. So sind diese Reaktoren in der Lage, bestehenden Atommuell als Rohstoff zur Energieerzeugung zu verwenden. Als Endprodukte fallen nur die normalen Spaltprodukte, jedoch keine langlebigen Transurane an, wodurch sich die Menge des hochaktiven Atommuells in Bezug auf die produzierte Energiemenge drastisch reduzieren lassen kann. 83% dieser Spaltprodukte, welche als finaler hochaktiver Abfall anfallen, sind bereits nach 30 Jahren weniger radioaktiv als natuerliches Uranerz (10 Halbwertszeiten a 3 Jahre), die restlichen 17% erfuellen dieses Kriterium nach einer Zwischenlagerung von 300 Jahren (10 Halbwertszeiten a 30 Jahre). Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenueber einer Endlagerung, welche zur Erreichung des selben Zieles mit Zeitraeumen von hunderttausenden Jahren oder laenger zu kaempfen hat.

    Das Problem Atommuell ist bereits da. Das einzige, was wir machen koennen, ist a) ihn praktisch ewig zu vergraben, b) ihn herkoemmlich aufzuarbeiten (was problematisch ist und zurecht von den Antiatompiraten bekaempft wird) oder c) ihn zur Energiegewinnung zu verbrennen. Eine dieser drei Loesungen muss man anwenden. Also warum nicht den Atommuell dadurch beseitigen, dass man ihn in einem schnellen Reaktor vernichtet und gleichzeitig dabei Energie gewinnt.

    Hinzu kommt, dass auch in technischen Belangen die von uns vorgeschlagenen Reaktoren deutliches Potential aufweisen. Dass bei ihrer Verwendung ENDlager fuer hochaktiven Muell ueberfluessig werden und auch kein neues Uran in Minen abgebaut werden muss, haben ich bereits als These in den Raum gestellt. (Material haben wir auf unserer Wikiseite.) Diese Reaktoren haben allerdings auch den Vorteil, dass sie kein Wasser als Kuehlmitel verwenden und dadurch bei Normaldruck betrieben werden koennen. Auf Grund eines hoeheren Temperaturgefaelles ist der Wirkungsgrad dieser Reaktoren auch hoeher als bei herkoemmlichen Leichtwasserreaktoren und die Kuehlung kann durch Konvektion passiv erfolgen. Die Reaktoren stehen also weder unter sehr hohem Ueberdruck noch benoetigen sie eine aktive Kuehlung im Ernstfall, was ihnen gegen Leichtwasserreaktoren deutliche Sicherheitsvorteile bringt. Zudem ist die Anreicherung von waffenfaehigem Material in diesen Reaktoren aus technischen und physikalischen Gruenden gegenueber Leichtwasserreaktoren deutlich erschwert.

    Ein berechtigter Einwand ist, dass diese Reaktoren zu gut klingen, um wahr zu sein, da sie in der Tat versprechen, alle Probleme, wegen denen die Piratenpartei Energieerzeugung aus Kernspaltung verbieten will, nicht aufweisen. Aber gerade weil sich diese Reaktortypen so grundlegend von Leichtwasserreaktoren unterscheiden, haben sie sich bisher nicht durchgesetzt, weil man in Industrie und Politik haeufig nicht auf das Beste sondern auf das vertrauteste setzt. Trotzdem sind diese Reaktortypen keine Phyntastereien und Hirngespinste, sondern werden von namenhaften Wissenschaftlern in einschlaegigen internationalen Fachzeitschriften (z.B. Schientific American oder Nuclear Science and Engineering) zunehmend diskutiert. Kleinskalige Prototypen dieser Reaktoren haben teilweise bereits ihre Eigenschaften und Leistungsfaehigkeit ueber einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren demonstriert, stehen aber im Moment noch nicht komerziell zur Verfuegung.

    Aus diesem Grund setzt sich die AG Nuklearia fuer die Erforschung (!) dieser Reaktortypen auch innerhalb von Deutschland ein. Der Atomausstieg bietet uns auf lange Sicht die einmalige Gelegenheit, unsere atomaren Altlasten aka. Leichtwasserreaktoren (Generation II) zu verbannen und im Austausch durch modernste Kraftwerke der Generation IV zu ersetzen, welche mit unserem bestehenden hochaktiven Atommuell betrieben werden und ihn dabei in eine wesentlich kuerzer zu lagernde und damit handhabbarere Form ueberfuehren.

    Dies soll, so die Vision der AG Nuklearia, nicht zu Lasten der Erneuerbaren Energien erfolgen, da unser erklaehrtes Ziel die weitgehende und umfassende im Verdraengung von Kohle, Erdoel und Erdgas zur Energieerzeugung im Rahmen des Klimaschutzes ist. Dies ist, wie von den Anti-Atom-Piraten an meheren Stellen richtig aufgezeigt, mit Leichtwasserreaktoren nicht moeglich, da sie durch den hohen Druck und Wasser als Kuehlmittel nur als Grosskraftwerk funktionieren und damit nur langsam steuerbar sind. Da die von uns vorgeschlagenen Reaktoren allerdings mit Normaldruck arbeiten, bieten sich bei ihrer Bauweise auch kleinskaligere Kraftwerksmodule von einigen 100MW Leistung an, welche durch ihre Modularitaet besser steuerbar werden und so eine hoehere Flexibilitaet aufweisen, wodurch ein Ausgleich von Energieschwankunen der erneuerbaren Energieformen geschaffen werden kann.

    Die von der AG Nuklearia vorgeschlagenen Reaktoren vermeiden also nicht nur die Probleme, auf Grund derer die Piratenpartei sich gegen Atomkraft ausgesprochen hat, sie tragen auch aktiv zur Beseitigung der bestehenden Probleme (Atommuell) bei, koennen besser dezentralisiert werden und verpflichten sich der energetischen Piratentradition von Resourcenschonung, Nachhaltigkeit und Sicherheit. Zudem werden die Forschungsunterlagen der von uns befuerworteten Reaktoren zunehmend unentgeltlich der breiten Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht und zum Teil sogar in die Public Domain ueberfuehrt. Auch in diesem Aspekt zeigen sich diese Reaktortypen als sehr piratig und erleichtern es, sich gemaess unserer Piratenlogik, selbst ein Bild zu machen.

    Allerdings kann diese Technologie nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn aktiv und ohne Fehlleitung aus besonderen wirtschaftlichen Interessen heraus, diesbezuehlich Forschung betrieben wird. Hier ist es an uns als Partei, Rahmenlinien dafuer zu definieren, unter welchen Bedingungen wir uns einen Einsatz solcher moderner Reaktoren in Deutschland vorstellen koennen. Niemand, auch nicht die AG Nuklearia, fordert, sofort mit dem Neubau von komerziellen Atomkraftwerken zu beginnen. Trotzdem muss der entsprechende Naeherboden fuer eine inner- wie ausserparteiliche Diskussion im Hinblick auf die Bewertung dieser neuen Technologien geschaffen werden. Dies ideologiefrei und pragmatisch zu erreichen, ist erklaehrtes Ziel der AG Nuklearia. Und aus diesem Selbstverstaendnis heraus wagen wir es, mit ganzem Herzen und ohne schlechtes Gewissen, zu sagen, dass wir weder gegen die Grundsaetze unserer Partei noch gegen die Intentionen der beschlossenen Positionspapiere und Wahlprogrammbeitraege verstossen.

    Antwort

  5. Holger Köpke
    23/08/2012 um 22:33 Permalink
    Huhu Klaus,

    jeder kann sagen und schreiben was er mag - und jeder SOLL seine eigene Meinung haben. Mein einziger Kritikpunkt ist folgender Textteil in der Fußzeile:
    "Mehrheitsmeinung (soweit vorhanden) der Piratenpartei Deutschland."

    Damit wird der Eindruck erweckt, dieses PDF drückt "soweit vorhanden" die Meinung der Piratenpartei aus. DIES finde ich persönlich parteischädigend. Klute ist ja im Internet schon länger bekannt - er kann und soll weiter Thesen aufstellen wie es ihm beliebt - aber nicht den Eindruck erwecken er kommuniziert die Parteimeinung. DIES halte ich für gefährlich und kritikwürdig.

    Gruss
    Holger

    Antwort

  6. me
    25/08/2012 um 02:01 Permalink
    Äh, da steht doch klar:

    "[diese] entsprechen nicht notwendigerweise der Mehrheitsmeinung (soweit vorhanden) der Piratenpartei Deutschland"

    Damit wird doch genau das Gegenteil von Deinem Textverständis gesagt?

    Antwort

  7. Robert Nitsch
    27/08/2012 um 17:07 Permalink
    Sei so gut und lies mal die Fußzeile von Anfang bis Ende.

    Antwort

  8. John
    24/08/2012 um 09:32 Permalink
    Über drei Ecken von Twitter hier gelandet. Bin auch kein Pirat, wollte bloß kurz drauf hinweisen, dass die Gruppe "Nuklearia" heißt. Nicht Nukularia. Ist ja auch nicht die Nukularkraft.

    Antwort

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