Meine Taschen sind voll, aber zu

Klaus Peukert » 01 August 2012 » in Piraten » 7 Kommentare

Aktuelles Thema: Piraten und das Geld. Mandatsträger und das Geld. Sollen die was abdrücken und wieviel oder sind Mandatsträgerabgaben ein Verrat an demokratischen Grundwerten, über den sich Piraten aufs Schärfste empören sollten? Kann man ne Weile und viel drüber reden, machen wir ja so gern.

Einen Punkt möcht ich nur mal aufgreifen: Es heißt immer, das Mandatsträgerabgaben "illegale Parteienfinanzierung" (oder meinetwegen auch nur verdeckte) seien. Das dürften wir nicht mitmachen. Da werden wir "wie die anderen". Deswegen müssten wir Piraten bessere/andere Konzepte vorlegen.

Das lustige ist jetzt aber: Es gibt so ein Konzept schon. Seit Jahren. Steht in der Satzung. Als Empfehlung, 1% des Nettoeinkommens als weiteren/zusätzlichen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Wir müssen uns gar nicht über das komische System aufregen, über den Dolchstoß ins Herz der Demokratie, die die "klassischen" Mandatsträgerabgaben sein sollen.

Wir müssen also gar nicht fordern, das das anders gehen müsse, das man da "piratige Konzepte" entwickeln und vorlegen müsste. Wir müssten das nur mal schlicht umsetzen, was wir in die eigene Spielanleitung reingeschrieben haben! Mandatsträger, Vorstände und die vielgerühmten Basispiraten. Alle.

Anstelle dieser seltsamen Debatte, bei der ich weder die Seite nachvollziehen kann, die den Mandatsträgern jetzt mit der Brechstange an die Geldbörse will, noch die "Meiiiinnnn Schatzzzzzzz" rufenden Mandatsträger verstehe, wäre der Partei am Meisten gedient, wenn zunächst mal alle Pirat*en schlicht ihren Mitgliedsbeitrag zahlen würde.

Wenn man, wie z.B. in Bayern zwar über 7.000 Mitglieder bejubeln kann, von denen aber die Hälfte ihren Beitrag nicht gezahlt hat, dann allein sind das mal locker über 150.000 Ocken die da fehlen. Und dann hat noch niemand die 1% gezahlt. Die Milchmädchenrechnung, das auf den Bund zu skalieren ist dem geneigten Leser als Übung überlassen.

Wenn dann die Meisten auch noch das eine Prozent drauflegen (auch bei zum Überleben notwendigen monatlichen 3.000€ sind das nicht mehr als 30€), dann wäre der Gesamtpartei wohl deutlich mehr geholfen, als die Zwangsverpflichtung der bisherigen Mandatsträger. Keine "illegale Parteienfinanzierung", kein Zwang und die Kohle wird auf alle verteilt.

Nach fast drei Jahren Piratenpartei erscheint mir das aber schlicht zu einfach, zu sehr ohne Haken, zu sehr "Warum macht das nicht einfach?", als das ich mich über die Nichtumsetzung wundern würde... Piraten halt, wa?  ¯_(ツ)_/¯

Ich mach das jedenfalls jetzt einfach trotzdem.

1% vom Netto im Monat.

Dauerauftrag.

So.


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7 Kommentare zu "Meine Taschen sind voll, aber zu"

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  1. Roland Köhler
    01/08/2012 um 20:30 Permalink
    Die meisten, die sich an die 1%-Regel halten, werden dies in Form von Spenden tun, nicht als Mitgliedsbeitrag. Das eigentliche Problem sind die 'Gar-Nicht-Zahler'.

    Und wie kommst Du auf 3000,00 EUR monatliches Netto? Das Durchschnittsmitglied wird nicht auf diesen Betrag kommen.

    Antwort

  2. Anonym
    01/08/2012 um 20:45 Permalink
    Im Jahr 2011 lag das persönliche monatliche Nettoeinkommen der Leipzigerinnen und Leipziger durchschnittlich bei 1.066 Euro und damit um 30 Euro höher als 2010. Die Selbstständigen konnten an dieser positiven Entwicklung nicht teilhaben. Ihr persönliches Einkommen sank auf 1.085 Euro. 2009 hatte es noch bei 1.316 Euro gelegen.

    Antwort

  3. tarzun
    01/08/2012 um 21:43 Permalink
    Die 3.000 standen in nem Blogpost eines NRW-MdL, der dort meinte, mit weniger als 3.000€ nicht auskommen zu können.

    Antwort

  4. Roland Köhler
    01/08/2012 um 21:58 Permalink
    Dein Absatz bezog sich aber nicht auf Mandatsträger sondern auf Mitglieder allgemein. So lese ich es zumindest.

    Und: Deine Antwortfunktion hakt etwas.

    Antwort

  5. Daniel Düngel
    01/08/2012 um 22:10 Permalink
    Das mit den 3.000 war ich. Ich hab das in meinem heutigen Blog auch noch mal erläutert.

    Ich bin auch sicher kein Durchschnittsmitglied, da ich auch schon vor meinem Mandat mehr als 3.000 netto im Monat zur Verfügung hatte. Etwa 1.500 gehen alleine für mein Haus drauf (nein, nix Besonderes ... ein 60 Jahre altes Haus, welches ich für rund 170.000 Euro vor drei Jahren gekauft habe - ohne Mandat).

    Whatever:
    ich hab nix vom Überleben geschrieben ... dafür braucht man sicher keine 3.000 Euro. Ich brauche die, da ich mein Haus und mein Auto wohl verkaufen müssten ;)

    Antwort

  6. Daniel Düngel
    01/08/2012 um 21:59 Permalink
    das mit den 1% mache ich auch.

    Der Einfachheit halber nehme ich in meinem Fall das Brutto ...

    ansonsten: guter Beitrag in dieser sinnbefreiten Diskussion.

    Antwort

  7. Stahlrabe
    01/08/2012 um 22:35 Permalink
    1: Den Mitgliedsbeitrag zu zahlen wäre schon mal eine Selbstverständlichkeit, und sei es den reduzierten. Das kann sich (nahezu) jeder leisten.

    2: Spenden an den Stellen, an denen persönliche Prioritäten liegen, ist gewiss ehrenwert. Damit die empfohlenen 1% zu erreichen noch ehrenwerter.

    3: Die empfohlenen 1% am Jahresbeginn zusammen mit dem Grundbeitrag als Mitgliedsbeitrag zu entrichten, hat für unsere Schatzmeisterin den zusätzlichen Charme, Planungssicherheit zu haben. Denn sie stellt sicherlich ein Jahresbudget auf. In welchem sie dann Fixkosten, beispielsweise für Personal, einrechnet.

    4: Das gleiche, oder vielleicht sogar auch mehr, leistet eine freiwillige Selbstverpflichtung. Ich denke, das wäre nichts anderes als ein Pledge, wie wir es bereits kennen. So wie es das eine oder andere MdL zur Erhebung der Kosten eines bezahlten Bundespressesprechers vorgeschlagen hat.

    Ob bei diesen Punkten Mandatsträger eine besondere (moralische) Verpflichtung zum Tragen kommt, lasse ich hier mal bewusst offen. Ich bin aber geneigt, mich Daniel in der Vermutung anzuschliessen, daß sich unsere Mandatsträger in der Hinsicht überdurchschnittlich engagieren. Ihnen Habgier zu unterstellen, weil sie über die Form ihrer Spende selbst bestimmen möchten, halte ich für unanständig.
    Den Wunsch nach Planungssicherheit kann ich aus eigener Erfahrung aber ebenfalls sehr gut verstehen.

    Den bitteren Beigeschmack einer illegalen Parteienfinanzierung hat eine Spende/Abgabe auch eher dann, wenn sie auf Umwegen in konstanter Höhe von jedem Mandatsträger erhoben wird, so wie es derzeit Usus ist.

    Gruß, Stahlrabe

    Antwort

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