KandidatenKuriositätenKabinett

Klaus Peukert » 15 Februar 2012 » in Rants » 14 Kommentare

Super lustig. Die Liste der bisherigen Kandidaten für den im April zu wählenden Bundesvorstand der Piratenpartei erscheint als politisches Kuriositätenkabinett, ja fast wie ein komplettes Lineup der ersten zwei Wochen von DSDS oder ner Neuauflage einer Gong-Show, diesmal mit Möchtegernpolitikern. Neben den wieder antretenden Amtsinhabern und zwei Kandidaten, die schon "weiter unten" in nem Amt stecken, versammelt sich bisher ein buntes Potpourri aus Kandidaten wo man sich selber zurufen möchte: "Sagt denen denn keiner, was das für ein Unsinn ist?". Stattdessen johlt meine Twittertimeline über sie.

Ich will jetzt nicht über die einzelnen "Kandidaten" herziehen, hoffe nur, das der BPT schlau genug ist, ihnen nicht mehr als ein "Next!" zu gönnen. Jetzt gibts jede Menge schlauer und kluger Piraten, die den Job eigentlich machen könnten. Der Holler und der Klinkhart in Hamburg, die Schramm in Berlin, der Siggel aus, öhm, NDS?, der Barenhoff aus NRW, Leutert aus Hessen, der Eisvogel in Bayern und viele viele mehr, die man (Guttenbergpassiv intended) liebend gern im BuVo sehen würde. Aber alle winken dankend ab. "Ne, lass mal". "Ich bin doch nicht bekloppt", das sind noch die zitierfähigsten Reaktionen.

Nun, warum ist das so? Amerikanische Forscher haben herausgefunden, das den klarblickenden Piraten bewußt ist, wie sehr die Gestaltungsmacht eines Vorstandes überschätzt wird. Und ihnen ist auch klar, das der Aufwand-Ergebnis-Shitstorm-Dreisatz nur unbefriedigend lösbar ist und man für viel Arbeit und wenig Ergebnis (hinter "Servicegruppen" und "Neue Webseite bspw. steht nen Haufen Arbeit, aber am Ende sieht das für nen Jahr irgendwie trotzdem mager aus) jeden Tag zweimal von irgendwelchen sozialinkompetenten Kellerkindern, denen das Heiseforum nicht mehr 133t genug ist, verbal in die Fresse bekommt, während von der schweigenden Masse die notwendige laute Unterstützung fehlt.

An jeder Ecke hört man, das man eigentlich komplett wahnsinnig sein muss um den Vorstandsjob zu machen, da das eigentlich eine ehrenamtliche Vollzeitstelle mit 40-80h/Woche sei. Da gehen Leute extra wg. der Partei in Teilzeit (und schaffen es trotzdem nicht auf die Berlinale) und andere sitzen nach nem "Feierabend 1" um 21:15 noch bis nach Mitternacht bis zum "Feierabend 2". Die sieben Wackeren haben also den Arsch voll mit To-Do's und egal was ich von einigen Entscheidungen und Verhaltensweisen persönlich halte: Das verdient Respekt. Großen. Also, so richtig dicken fetten.

Die Piratenpartei ist, so heißt an jeder passenden und viel öfter noch an jeder unpassenden Stelle, eine "basisdemokratische Mitmachpartei". Basis. Mitmachen. Kennste? Eine Mitmachpartei mit fucking 21.000 Mitgliedern, bei der für den Bundesvorstand bisher nur zwei Neue und sonst nur ein Reigen aussichtsloser Komödianten antreten. Für den Schatzmeister gar ausschließlich der Inhaber und für den Generalsekretär nur einer. Liebe Piraten: Eure unwidersprochene Erwartungshaltung, das ein Bundesvorstandsmitglied den ganzen Scheiß neben seinem Berufs- und Privatleben unbezahlt, ehrenamtlich und trotzdem in Vollzeit hinbekommen soll oder gar muss:

Es ist eine Frechheit von Euch so etwas zu erwarten. Es ist unverschämt, Kandidaten zu fragen "Schaffst Du das denn zeitlich", statt zu sagen: "Wie kann ich Dich unterstützen?". Ja, Vorstandsarbeit ist wie eine Schachtel Pralinen, aber der Vorstand einer 21.000-Leute-Partei hat, verdammt noch eins, nicht die Aufgabe Mitgliedsanträge abzuheften, Spendenquittungen auszustellen oder über Standheizungen in nem häßlichen Wohnwagen zu befinden. Er hat Steuerungs- und Koordinierungsaufwand (Schatzmeister, GenSek, Beisitzer) und Präsentationskram nach außen und innen (Chef, Stellvertreter, polGF) zu leisten und sich nicht mit Mikromanagement zu befassen.

Alles andere hat in dieser Partei, die neben der Transparenzkeule bei sich jeder bietenden Gelegenheit die Basisdemokratie-Mitmachpartei-Nunchucks rumwirbelt, gefälligst von Beauftragten oder Angestellten erledigt zu werden. Es wird ja wohl bei 21.000 Mitgliedern möglich und zu verlangen sein, das diese ominöse Basis auch tatsächlich mitmacht und damit nicht nur meint, das man auf Mailinglisten rumgeifern darf. Und entweder für notwendige Aufgaben finden sich Mitglieder aus der Basis, die mitmachen und auch ohne Amt Verantwortung übernehmen oder die Leistung wird eingekauft. Hat man das Geld nicht und findet sich keiner bleibt die Aufgabe eben liegen. Punkt.

Also Leute: Hört auf über dieses politische Gruselkabinett namens Kandidatenliste herzuziehen. Kandidiert selber oder sucht Euch einen dem ihr den Kram zutraut und gebt ihm Euer Schwert, Euren Bogen und Eure Axt, damit er oder sie kandidieren und ein prima Team von mitmachenden Basispiraten hinter sich wissen kann, falls er/sie dann sagen muss "Die wählen mich ja wirklich".

Klarmachen zum Mitändern oder so. 

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14 Kommentare zu "KandidatenKuriositätenKabinett"

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. corax
    15/02/2012 um 22:13 Permalink
    Hallo Klaus,

    wieso stehst du (noch) nicht auf der Liste?^^

    olli

    Antwort

  2. Dave-Kay
    15/02/2012 um 22:37 Permalink
    True!
    Aber die Keule kommt ein bisschen spät. Denn diese Erkenntnis wächst meiner Meinung nach schon lange unter den Mitgliedern. Ist wohl ein Lernprozess der eingesetzt hat und langsam in Schwung kommt.
    Für NRW bedeutet das tatsächlich, dass die relevanten Teams wachsen und die eigentliche Arbeit langsam Fahrt aufnimmt. Das kommt zwar etwas spät, aber ich glaube auch nicht übertrieben spät. Insgesamt glaube ich, dass die Situation besser ist, als wir sie wahrnehmen.
    Was die Kandidaten betrifft...das lernen wir auch noch, erste Ansätze hat man bei der letzten Wahl gesehen, aussichtslose Kandidaten haben nicht zu viel Zeit in Anspruch genommen. Wir brauchen da Prozesse die schon vor der Wahl darstellen, dass Kandidaten aussichtslos unterwegs sind und das Grillen obsolet ist. Das Bedürfnis einen Honk als solchen auf der Bühne zu markieren ist halt enorm. Vielleicht reicht es auch, wenn am Ende nicht jeder meint, er müsse den Kandidaten selber grillen, nachdem das vor ihm schon 100% aller Fragesteller getan haben...

    Antwort

  3. pan
    15/02/2012 um 22:39 Permalink
    corax++

    Antwort

  4. Simon Stützer
    16/02/2012 um 09:53 Permalink
    Fein gesagt Tarzun.

    Grüße
    Simon

    Antwort

  5. TJ
    15/02/2012 um 23:17 Permalink
    Super Artikel, etwas überspitzt, aber vollkommen Richtig!

    greetz

    TJ

    Antwort

  6. flexi
    15/02/2012 um 23:32 Permalink
    > und damit nicht nur meint, das man auf Mailinglisten rumgeifern darf.

    Oder in Blogs

    Antwort

  7. Leif Kuse
    16/02/2012 um 01:48 Permalink
    Guter Punkt!

    Ich spende hiermit 8 Std. Arbeit wöchentlich an den Bundesvorstand.
    Abzurufen bei mir! Was kann ich tun, um Euch zu unterstützen?
    WO muss ich mich anstellen? -> Email bitte beim Blogbesitzer abfragen!

    Antwort

  8. HeptaSean
    16/02/2012 um 01:56 Permalink
    „Die sieben Wackeren haben also den Arsch voll mit To-Do's und egal was ich von einigen Entscheidungen und Verhaltensweisen persönlich halte: Das verdient Respekt. Großen. Also, so richtig dicken fetten.“

    Nun ja, nicht nur die sieben Wackeren im BuVor, sondern auch die Mitglieder der 16 LaVors und die zahllosen Beauftragten für dieses und jenes verdienen Respekt – meistens. Es gibt aber oft genug auch berechtigt etwas zu kritisieren.

    Und da kommen wir zum Kern des Problems: Fast alles, was für den Empfänger ein weiterer ungerechtfertigter Shitstorm ist, ist für den Sender erst einmal berechtigte Kritik. Vielleicht neigt der eine Sender einfach immer dazu, sehr direkt zu sein, vielleicht wird der andere Sender irgendwann shit-stürmischer, weil die leise berechtigte Kritik sowieso nicht wahrgenommen wird.

    Und bei dieser Sorte Shitstorm bist Du, lieber Tarzun, oft genug dabei – mit jeder Menge Tweets und dem einen oder anderen Blog-Post, wie es Flexi schon angedeutet hat. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch gelegentlich mitmache bei der in meinen Augen berechtigten Kritik, die auf der anderen Seite als Shitstorm ankommt.

    Und die Empfänger der Kritik, die Leidtragenden der Shitstorms sind auch nicht ganz unschuldig, wenn sie nicht mehr unterscheiden, ob etwas Teil eines völlig überzogenen Sturms ist oder doch noch zivilisierte, wenn auch harte Diskussion, wenn sie erst einmal ad personam unterstellen, dass derjenige, der kritisiert, ja gar nix für die Partei tut, sondern nur meckert, etc. pp.

    Es kommt noch hinzu, dass wir wahrscheinlich alle dem obigen Post mit anderen Leuten im Kopf zustimmen. Jeder wird andere Personen als typische Shitstorm-Opfer und typische Shitstorm-Täter sehen.

    Ich habe keine Ahnung, ob und wie wir dieses Problem lösen können. Es zu benennen, ist aber schon mal ein Anfang.

    Antwort

  9. Carsten Lenz
    16/02/2012 um 07:07 Permalink
    Stimme Dir zu, allerdings habe ich eine Bitte/Kritik an die/der Versammlungsleitung auf BPT: Hört auf, so wie in HDH während der Kandidatenaufstellung ein Kandidatenbingo ala "wer hat noch nicht, wer will nochmal. Piraten X vielleicht, gut dann komm hoch" einfach zu lassen. Mich hat das in HDH tierisch genervt. Macht sowas bei den Jupis.

    Antwort

  10. Stephan Urbach
    16/02/2012 um 10:02 Permalink
    Die Kritik geht dann an mich, da ich damals Wahlleiter war. Die Kandidatenliste war offen, ich habe alles getan, um mir nicht vorwerfen lassen zu müssen, das sich jemanden von der Kandidatur ausgeschlossen habe, weil ich nicht lange genug gefragt habe, ob noch jemand will. Erst, wenn wirklich NIEMAND mehr kandidieren wollte, habe ich die Liste geschlossen.

    Antwort

  11. Heiko Müller
    16/02/2012 um 08:25 Permalink
    Ohne 30 Unterstützerunterschriften sollte niemand für den Buvor kandidieren dürfen. Bei Vorsitz, Beisitzer, Stellvertreter und PolGe 30 Sympathisanten, bei Gensek und Schatzi 30 Leute die einen hassen.

    Antwort

  12. Fizz
    16/02/2012 um 09:29 Permalink
    Nur mal so: Für das Mikromanagement sollten die Mikrogliederungen zuständig sein. Also genau das, was angesprochen wurde: Mitgliederverwaltung, Spendenquittungen, blabla. Das Problem dabei ist eher, das alles zum einen ans laufen zu bekommen (vgl. SAGE) und zum anderen das dies halt auch Leute bindet. Da bruachen wir keine Servicegruppen oder sowas für wenn die Aufgaben besser nach unten verteilt werden...

    Antwort

  13. Jenny
    01/03/2012 um 12:04 Permalink
    Lieber Tarzun,

    ich weiß nicht mehr, wann ich für den BuVo kandidiert habe – es war wohl zufälligerweise wenige Tage nach Deinem Blogpost. Deswegen fühle ich mich jetzt nicht angesprochen von der einen oder anderen "Rant-Vokabel", mit denen du in dem Text nicht sparsam umgehst, ist ja auch unter "Rant" abgelegt. Auch ich finde es mutig und ungewöhnlich von den Leuten, sich da mit den buntesten Lebensentwürfen und unterschiedlichsten Vorerfahrungen für die gerade wegen Bundestagswahl 2013 höchst verantwortungsvollen Jobs der BuVos zu bewerben. Aber das ist doch gerade das Revolutionäre an der Piratenpartei! Deswegen bin ich doch auch angetreten! Weil sie Menschen die Chance bietet, Politik zu machen, die auch wahrgenommen wird – ohne durch die "Ochsentour" der anderen Parteien menschlich zerschlissen, zynisch und desillusioniert werden zu müssen! Seien wir doch mal ehrlich: Politiker, die im Bundestag landen, haben Jahre des ellenbogen-gesteuerten Kampfes hinter sich! Sie sind über Leichen gegangen. Und haben deswegen ihre Ideale längst vergessen, bzw. zusammengestrichen um "mehrheitsfähig" zu sein! Deswegen treten doch auch bei uns die Leute ein: Weil die Piratenpartei die Möglichkeit bietet, mit den den eigenen politischen Ansichten fast forward im Parlament zu landen! Endlich gibt es die Möglichkeit, über LQFB Piraten-Abgeordneten die eigenen Ansichten, ok, nicht "in die Feder zu diktieren", aber immerhin als Meinungsvorlage auf den Monitor zu schieben. Und diese "Abkürzung" in den Bundestag, die sich gerade Herbst 2011-Kandidaten wie ich ständig als Vorwurf an ihre scheinbar mangelhafte Integrität anhören müssen, ist doch eines der Sahnehäubchen der Piratenpartei, und bringt ihr Sympathien und Wählerstimmen ein. "Endlich normale Menschen"! Schaut Euch unsere 15 Piraten an: Wenn die seit ihrer Teenie-Zeit die Parteisoldatenschule durchlaufen hätten, würden sie anders reden, anders aussehen, anders rüberkommen und vor allem, besch*** "mehrheitsfähge Politik" machen, das Totschlag-Argument für alle Abgeordneten durch die Bank weg, immer wieder Militäreinsätzen zuzustimmen. Das gleiche höre ich leider aus Deinem, ok, "Rantblog" auch heraus: Watt für Freaks kandidieren denn hier, ihr seid doch gar keine richtigen Politiker! EBEN! Es sind normale Menschen wie ich und Du, die eine gehörige Portion Mut mitbringen und den Piraten beträchtliche Summen ihrer Lebenszeit vermachen wollen! Und das, finde ich, verdient einfach mal Respekt und keinen Rant. Außerdem sind es ganz schön wenige, die sich dem Personalpool da bisher zur Verfügung stellen. Finde ich. WTF, ich freu mich schon aufs kommende Piratenjahr, und wenn ihr mich nicht wählt, bringe ich mich weiterhin so ein wie bisher, das macht ja ohnehin mehr Spaß.

    Antwort

  14. Sleeksorrow
    01/03/2012 um 19:57 Permalink
    Hi Jenny,

    ich habe mich bisher nicht mit den BuVo Kandidaten befasst und daher ist meine Aussage ganz generell und allgemein gemeint und spielt definitiv auf niemanden an:

    Es gibt mehr als Schwarz und Weiß. Es gibt viele viele Schattierungen zwischen "In einer Ochsentour zerschlissen" und "weiß gerade mal, wie man den Parteinamen korrekt schreibt". (Und ja, letzeres ist nicht polemische Übertreibung. "Piraten-Partei", "piratenPARTEI" und "PiratPartei" zieh ich mir grad nicht aus der Nase, sondern das sind Leseproben von Leuten, die auf Mailinglisten schon so richtig auf dicke Hose gemacht haben)

    Ein Kandidat sollte die Kanäle, auf denen gearbeitet und diskutiert wird, gut kennen, sollte sich in ihnen bereits gut auskennen, sich mit der Arbeitsweise vertraut gemacht haben und die schwersten Stolpersteine bereits entdeckt haben und sollte von einigen sehr aktiven (hyperaktiven?) Spezialamtsträgern wissen, wie man sie zu handlen hat. Und das geht nur, wenn man schon eine Weile aktiv mitgearbeitet hat. Daß man sich damit einen gewissen Ruf erarbeitet hat, ist dabei einfach nur eine Folge, die man als Kriterium umkehren kann. Man sollte sich einen Ruf erarbeitet haben, weil das impliziert, daß man die Fallstricke kennt und weiß, worum es genau geht.

    Die völlig unbekannten Kandidaten, die über Nacht aus dem Boden - nein - aus dem Nichts geschossen sind, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daß sie sich vermutlich nicht mal im Klaren darüber sind, daß bei uns ein Vorstand je weniger Macht hat, je weiter er nach oben kommt. Weiter oben vergrößert sich nur die Menge der shitstormenden Piraten, wenn man etwas sagt, was nicht durch Meinungsbilder oder Beschlüsse gedeckt ist. Hierbei ist zum Beispiel wichtig, diese auch sehr gut zu kennen. Das ist keine Bettlektüre, wo man vor dem Matratzenhorchdienst mal 10 Minuten drin schmökert.

    Es gibt kein "How to become a pirate executive in 10 easy steps". Das sind 100 harte Schritte. Und ich möchte sehen, daß derjenige, der sich ein BuVo Amt an den Schuh dübelt, diese Schritte gegangen ist.

    Antwort

1 Trackback zu "KandidatenKuriositätenKabinett"

  1. polit-scan.zummba.net 16/02/2012 um 04:55

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