We have to educate!
Hey, Netzgemeinde! Ja ihr, ihr wütenden Twitterer, ihr Mausklickdemokraten, ihr netzpolitik.org-Leser, ihr Heiseforeneinwohner, ihr CCC-Kongreß-Gewinnspielteilnehmer, ihr Piraten, ihr Netzpolitiker, ihr Aktivisten.
Euch meine ich. Ja, Dich. Und Dich auch. Viele von Euch haben heute das selten gelesene Privatblog schwarz gemacht, die Piratenpartei war irgendwie offline, Wikipedia war weg, viele englische Seiten schwarz usw. Und viele von Euch haben dieses Video geteilt und verbreitet:
Alles wegen SOPA. Und womit: Mit Recht. Aber wißter was? Habt ihr das Video mal bis zu Ende gelesen? Ist Euch was aufgefallen? Da steht
We have to educate
We have to educate: Wir müssen aufklären. Wir müssen erklären.
Blöderweise machen wir das nicht. Wir schreiben hochtrabende Pressemitteilungen, gründen schneller digitale Lobbyverbände als Starbucks Innenstädte schleckerisieren kann, wir bloggen hochnäsig über die "Internetausdrucker", machen uns über twitternde CSU-Politiker lustig und finden uns im Großen und Ganzen hauptsächlich erstmal ziemlich geil. Und sind pissig, wenn die "Männer mit Kugelschreibern" wieder irgendwelchen Mist beschließen. Dabei haben wir doch so empört gebloggt!
Aber was machen wir nicht oder zu wenig? Wir reden nicht mit diesen Leuten! Im Gegenteil, wir pimmeln sogar noch die Leute an, die das zu tun wagen. Ein @herrurbach kann sich vor dämlichen Blogkommentaren kaum retten, weil er es wagte mit Peter Altmaier Kaffee zu trinken und wagt im Februar mit Karl-Theodor zu reden. Das ist doch aber bekloppt, liebe Netzgemeinde. Das kann doch niemals funktionieren.
Wie stellt ihr Euch das eigentlich vor? Das 2013 die Piraten mit (wie aktuell) 8% in den Bundestag einziehen und dann alles schnafte wird? Weil die Regierungskoalition dann hündisch winselnd bei den Piraten anfragen wird, wie man das richtig macht? Wovon träumt ihr eigentlich nachts? Klar, Piraten wirken, und in Berlin faselt jede Partei jetzt plötzlich von Transparenz. Geil. Na und? Deswegen sind es trotzdem die "Großen", die auch nach 2013 Gesetze beschließen werden.
Und sie werden dumme Gesetze beschließen wollen. Und ihr denkt doch jetzt nicht, das die stattdessen alle einmal Euer Blog oder Eure Tweets lesen, sich einmal an die Stirn fassen, "Wir waren ja so dumm!" sagen und sich dann alles irgendwie einrenkt? Kommt, so naiv könnt ihr nicht ernsthaft sein. Und deswegen solltet ihr das Lied da oben nicht nur lustig finden, sondern feststellen, das der Typ da Recht hat. Wir müssen aufklären, wir müssen erklären.
Redet mit Euren MdBs, MdLs, MdEPs, Euren Stadträten, Lokalpolitikern usw. Schreibt ihnen keine aus dem Netz heruntergeladenen unpersönlichen Serienbriefe oder -Faxe. Die würd ich an deren Stelle auch nicht lesen. Sucht die lokalen Multiplikatoren des politischen Gegners. Macht nen Termin mit ihnen aus. Erklärt ihnen, wo sie falsch liegen. Wie es besser ginge. Wie es richtig geht.
Und benehmt Euch höflich. Wir wollen was von ihnen, wir wollen, das sie uns zuhören, uns verstehen und von uns überzeugt werden. Das wird mit einem verbal über den Scheitel gezogenen "Du korrupter Systempolitiker"-Baseballschläger nicht funktionieren. Sagt ihnen nicht, wie dumm sie sind, sondern wie klug und richtig Eure Vorschläge sind. Hört Euch an, warum sie der Meinung sind, die sie haben.
Und dann klärt sie auf. Erklärt ihnen "unsere Welt". Unser "Netz". Zeigt ihnen seine Chancen, seine Möglichkeiten, zeigt ihnen die Faszination dieses Mediums "Online". Erklärt, wie wir online und vernetzt leben. Erklärt ihnen, warum Netzsperren eine schlechte Idee sind. Erklärt ihnen, wie das mit Kopien im Internet funktioniert. Und wie nicht. Geht zu ihnen, in ihre Welt und schimpft nicht wütend in einer Welt, die sie nicht kennen.
We have to educate.

19/01/2012 um 10:47 Permalink
Das ist nicht ganz falsch.
Aber:
Auch Stephan Urbach reagierte teilweise nur auf die dämlichen Kommentare. Nicht auf die sachlichen Nachfragen.
Ich hatte ihn gefragt was er sich von dem Treffen erhoffe, oder ob er sich überhaupt davon etwas erhoffe. Und was er denke wer von dem Treffen profitiere.
https://news.piratenpartei.de/showthread.php?mode=threaded&tid=100932&pid=453799#pid453799
Leider hat er auch auf Nachfrage per Twitter hat er nur ausweichend geantwortet.
Das finde ich schade, denn für mich stehen diese Fragen unbeantwortet im Raum. Er hätte ja ruhig sagen können: "Weil wir mit 'denen' mal reden müssen. Damit 'die' unsere Argumente mal 1:1 hören.".
Antwort
19/01/2012 um 11:02 Permalink
Oh, und Du Charmebolzen kannst oder willst offentlich nicht lesen, denn "Weil wir mit den Leuten reden müssen" hat @herrurbach vorgestern gebloggt, was über dapd auch in weitere Medien gelangte. Also stell Dich hier nicht großspurig hin, das der @herrurbach irgendwelche Fragen "im Raum" stehen lassen hat. Ganz davon abgesehen, das Du Intelligenzbestie nicht im Ansatz irgendeinen "Anspruch" darauf hast, das er Dir überhaupt für irgendwas Rechenschaft schuldet.
Das Du in dem verlinkten Diskussionsthread Dich überhaupt reinhängst wie ein Tauchsieder und den an Dämlichkeit sogar Dich noch übertreffenden Threadersteller durch Beachtung regelrecht adelst, statt ihn auslachend die Tür zu weisen und ihn dahin zu schicken, wo vielleicht jemand interessiert was er wissen will, ist schlimm und perfide genug.
Aber darum gehts in meinem Beitrag, es geht nicht um @herrurbach, sondern darum, das wir alle (und mit alle mein ich aller außer Dich) die noch Unwissenden aufklären müssen, statt altklug in Blogs "offene Fragen" anzuprangern. Dieser zum Himmel schreiende Mangel an Lesekompetenz ist ein weiteres Steinchen im Mosaik der Probleme, warum die Netzgemeinde keinen Fuß aufn Boden bekommt.
Und jetzt geh mir aus der Sonne, Du Hauptfigur in Sophokles' bekanntestem Stück.
Antwort
19/01/2012 um 11:24 Permalink
Aber ich versuche es nochmal:
Wieso sollte sich Jemand, der schlicht und ergreifend freundlich-neugierig-forschende Nachfragen stellt sich mit Worten abkanzeln lassen wie "... ist dir keine Rechenschaft schuldig"?
Ich hatte doch selbst gesagt, dass Stephan sich nichts vorschreiben lassen muss.
Aber ich wollte _verstehen_.
Mir _erklären_ lassen.
Deswegen habe ich _gefragt_.
Und dafür bin ich jetzt derjenige, der sich Dinge anmaßt?
Und wieso redest du davon die Leute "aufklären" zu wollen, denen das "Wissen um das Internet" fehlt?
Wäre es so schwer zu sagen:
"Hey! Deine Fragen sind vor Kurzem beantwortet worden. Hast du vielleicht nicht mitbekommen. Schau doch einfach mal hier: http://..."
Komisch.
Antwort
19/01/2012 um 11:37 Permalink
http://stephanurbach.de/2012/01/guttenberg-telecomix-und-ich-challenge-accepted/
Finde ich sehr gut, meine Fragen sind damit geklärt.
Ach, noch etwas zur Diskussionskultur:
1. Ich finde Stephans Aktion sehr gut.
2. Es hätte mich gefreut den Link zu bekommen, und nicht dafür angemacht zu werden dass ich nicht auf dem aktuellen Stand bin
3. In der Diskussion vom 13. war Stephan seltsamerweise nur auf die Trolle eingegangen, nicht auf sachliche Nachfragen. Schade.
Antwort
19/01/2012 um 12:19 Permalink
Erst einmal Alle ansprechen, dann beleidigen und dann sowas: "keine Kommentare mehr zulassen und Leute wie @herrurbach ihre Aktivitäten im Stillen und Geheimen machen werden"
Wenn ihr das so wollt - aber geht bitte vorher zur fdp. Das passt dann wenigstens. "mimimi - ich bin klug und ihr Alle scheiße und wenn mich wer kritisiert drehe ich durch. Denn ich bin der Geniale und ihr nur Dreck"
Genau so kommt das hier rüber. Das nenne ich mal diplomatisch.
Herzlichen Glückwunsch!
Antwort
19/01/2012 um 12:13 Permalink
Was Stephan Urbach versucht, wenn er es denn überhaupt versucht, finde ich grundsätzlich o.k. Beim Kaffeeklatsch mit Häkelschwein kam letztendlich nicht viel rüber. Profitiert hat in erster Linie Altmeier, weil er wieder einmal seinen guten Kontakt zur Netzgemeinde präsentieren durfte. Auch ein Hauch von Dialogbereitschaft schwebte kurz entlang. Herr Urbach bzw. die Netzgemeinde konnten davon im Grunde nicht profitieren. Wenn ich mich irre, dann sollte ich irgendwo das ursprünglich privatisierte Ergebnis des Gesprächs finden können?
Von und zu Guttenberg ist da schon ein anderes Kaliber. Dieser sucht zur Zeit möglichst viele Steigbügelhalter, um wieder im Politgeschäft einsteigen zu können. Was bietet sich da besser an als ein Treffen mit einem anerkannten Netzaktivisten? Gerade wegen seines Jobs als Internetbefreier von Nellie's Gnaden bietet sich dies an. Wäre der Guttenberg noch Minister, würde er dieses Treffen mit Herr Urbach von oben herab belächlen.
Dass der Guttenberg maßgeblich an Dingen wie Internetsperren und VDS beteiligt war und auch medial diese mit aller Kraft unterstützte, sollte ein Herr Urbach nicht verdrängen. Aus dieser Zusammenkunft kann nur ein Guttenberg gestärkt hervorgehen. Medial wird man es so auslegen, als hätte Guttenberg die Brücke zu den Netzaktivisten geschlagen. Das wird dann auch in politischen Kreisen völlig ausreichen, dessen Kompetenz zu untermauern, die er nicht besitzt. Jeder der sich als Netzaktivist einbringt, ob als Pirat oder CCC- Mitglied oder sonstwie, weiß selbst, dass man dazu mehr benötigt, als eine "Vier Augen"- Unterhaltung. Natürlich wird Guttenberg zugestehen, sich im Sinne des arabischen Frühlings einsetzen zu wollen und die Impulse des Herrn Urbach verwerten zu wollen. Doch all dies kann bei einem machtgierigen CSU- Protagonisten nur ein Mittel zum Zweck sein. Das eigentliche Ziel des Herrn von und zu Guttenberg ist das politische Comeback. Er hätte sich auch genauso als Sozialtherapeut für alleinerziehende Mütter oder Atomausstiegsbeauftragter des Iran verkauft, wenn er damit seinem Ziel näher käme.
Richtig ist, dass man den Dialog mit politisch Verantwortlichen suchen muss. Man darf sich allerdings nicht instrumentalisieren lassen. Das ist leider zu befürchten.
Die 2. Chance, die man Guttenberg gerne zugestehen mag, muss nicht ausgerechnet auf dem Spielfeld "Netzpolitik" ausgetragen werden, wofür er sich bereits als Abgeordneter und Minister disqualifiziert hatte. Solange dieser Mann keine ernsthafte Reue für sein Verhalten und seine Taten zeigt, ist und bleibt er unzumutbar. Ich gehe nicht davon aus, dass er nach seinem Gespräch mit Stephan Urbach in der EU- Zentrale die Vorratsdatenspeicherung als demokratiefeindlich anprangern oder ACTA und all den anderen Scheiss redlich bekämpfen wird.
Ich lasse mich gern vom Gegenteil verblüffen...
Gruß,
J.D.
Antwort
19/01/2012 um 12:24 Permalink
Aber auch hier: Mein Beitrag benennt das Anpimmeln von tomate nur als Beispiel, hat aber einen ganz anderen Fokus. Insofern sollten wir uns jetzt nicht auf einen einzelnen Punkt beschränken. (Hey, ich kann auch lieb, cool was? :) )
Antwort
19/01/2012 um 12:25 Permalink
HAHA! Sehr richtig.
Ein Bärendienst ist aber auch ein Dienst.
Grüße.
Antwort