15.000 Kapitäne und ne Tasche voll Rum
Ui, da is mal wieder was los in Piratistan. Der Betreiber der Halle des BPT hat angekündigt u.U. mit "Taschenkontrollen" zu verhindern, das man selber Getränke mit in die Halle nimmt. Grund: Der Exclusivvertrag mit dem Caterer, der will, das man bei ihm kauft. Taschenkontrolle. Da fahren natürlich sofort die Grund- und Menschenrechtsschutzschilde hoch, das ginge ja gar nicht, das dürfe man nicht, der BPT wäre dann anfechtbar, man würde zur Not die Polizei rufen usw. usf.
Mal langsam:
1. Die Orgaleute haben deutlich gemacht, das sie das Vorhaben des Hallenbetreibers für ein Problem halten und dabei sind, es zu lösen. Ruhe und ein wenig mehr Gelassenheit wäre hier als erstes angebracht (über 500 Mails auf diversen Mailinglisten sprechen leider eine andere Sprache...). Überhaupt nicht hilfreich ist es, wenn jeder zweite das Orgateam mit der, naja, "Bitte" um "sachliche Antwort" zuwirft oder gar beim Betreiber "Stress" angekündigt wird. Macht Euch erstmal locker. Und im Zweifel gilt immer noch "Dulde und liquidiere".
2. Seid mal etwas kreativer. Dann läßt man das Freßpaket eben draußen, stellt den Matekasten ins Auto und geht ohne Tasche rein. Dann wird auch keine kontrolliert, alles easy. Und gegessen und getrunken wird dann eben konsequent außerhalb. Und wer uuuunbedingt seinen Laptop "braucht", der nimmtn eben inner Laptoptasche mit, in die Hand oder was weiß ich. Ihr seid erwachsene Leute, erzählt mir nicht, Euch fällt da nix ein. Und drinnen wird der Caterer eben boykottiert, kommt er nur auf seine Garantiesumme, fertig der Lack.
3. Ja, eine Taschenkontrolle ist ein Eingriff in die Privatsphäre. Ja, Eingriff in die Privatsphäre ist doof. Nein, das ist nicht generell verboten. Ich muss den Schornsteinfeger ins Haus lassen und den Heizungsableser in mein Schlafzimmer. Finde ich jetzt persönlich deutlich unprickelnder als ein "Da schau, keinen Sechserträger Bier im ALDI-Beutel". Wann (so) ein Eingriff gerechtfertigt ist und hingenommen werden muss, ist immer eine Abwägung der verschiedenen Interessen. Mediamarkt darf mich nicht gängeln, ein Konzertveranstalter schon.
4. So wie es sich darstellt hat man im jetzigen Moment (siehe Punkt 1., das kann sich noch ändern) die Wahl zwischen der Pest "BPT fällt aus" (egal ob jetzt für einen persönlich, weil man sich "auf keinen Fall" in die Tasche gucken lassen wird oder generell weil die Orga sagt "Lieber 10.000e EUR versenken als auch nur in eine Tasche schauen lassen") oder der Cholera Taschenkontrollen hinnehmen und dafür am BPT teilnehmen und Politik in der geilsten Partei Deutschlands (nach DIE GEILEN) zu machen. Kein BPT: Doof. Taschenkontrolle: Auch doof. Politik machen: Geil.
5. Und nun? Haben wir also genau diese notwendige Abwägung aus Punkt 3. Was wiegt jetzt schwerer? Mein Recht auf einen unbeobachten Tascheninhalt oder das Hausrecht der Halle? Wenn ich nun nur die Wahl zwischen "Tasche zulassen, kein BPT" und "Tasche aufmachen, dafür Politik gestalten", dann ist mir in diesem einen konkreten Fall die Teilhabe an der Politik schlicht wichtiger als dieser (verhältnismäßig geringe) Eingriff in meine Privatsphäre.
Mensch, wir haben nach Berlin plötzlich 6.000 neue Leute, die Kapazität des BPT wurde verdoppelt bei nahezu gleichem Budget und eine Nebenwirkung davon ist, das durch eine unbedachte Nachfrage hier plötzlich ein "Taschengate" losgeht, nur weil der Betreiber auf die Nachfrage seine Standardantwort gegeben hat, die sonst jeder Mieter bekommt (bei dem solche Kontrollen, siehe Konzert, weniger ein Problem als bei ner Partei sind). Das ist doch ganz offensichtlich ne Ausnahmesituation, die so nicht vorhersehbar war. Und ich freu mich lieber über (naja, die Meisten :-)) der Neuen, die mit uns "alten Hasen" bessere und geile Politik machen wollen, als jetzt hier das orangegefärbte HB-Männchen zu geben.
Herrje, wir wollen Politik machen und dieses Land verändern und verbessern, das lassen wir uns doch wohl nicht von nem verkniffenen Hallenbetreiber vermiesen, nur weil der Schiß hat, das jemand ne Mate mit reinschmuggelt.
Liebe 15.000 Bundestrainer^WKapitäne: Ja, das ist unbefriedigend. Ja, das ginge besser. Ja, so ne Taschenkontrolle sollte nicht sein. Ja, das ist Scheiße. Aber: Es. Ist. Nicht. Zu. Ändern. (Stand jetzt). Wir haben also die Wahl zwischen schwarz-weiß-prinzipienreitend Stress zu machen oder lächelnd und winkend zu sagen "Hier schau halt rein und jetzt geh mir aus der Sonne, ich will Politik machen". Und in den lessons learned wird stehen, das beim nächsten BPT dafür gesorgt wird, das sowas nicht nochmal vorkommt. Fertig der Lack.
Und, mal so unter uns Pastorentöchtern: Da geht draußen grad einer der größten Behördenskandale wo geben tut los, Nazis bringen zehn Leute um, der Verfassungsschutz steckt in dieser Braunen Scheiße wohl bis über die Nebenhöhlen drin und ihr kloppt Euch, weil ihr keine Mate reinschmuggeln könnt? Das mit dem Prioritäten setzen üben wir aber nochmal, OK?

14/11/2011 um 21:31 Permalink
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15/11/2011 um 02:28 Permalink
wehret den anfängen.
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15/11/2011 um 15:48 Permalink
Zumal ich mir die Presse schon vorstellen kann, die so etwas gibt.
Ich hoffe es findet sich noch eine Lösung.
Wobei die Hinweise von Klaus nicht schlecht sind. Totaler Boykott des Caterers und die Kisten auf dem Parkplatz im Auto. Falls man kein Auto hat hilft bestimmt ein Mitpirat.
Alternativ kann man genau wie am Flughafen einfach einen leeren stabilen Becher mitnehmen oder eine leere Flasche. Ein Wasserhahn mit Trinkwasser findet sich immer. ;-)
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16/11/2011 um 10:36 Permalink
Lösungen / Work-Arounds gibts viele (vorgeschlagen wurde auch ein Gepäckbus mit Gulaschkanone und eigenem "Wahllokal" zum Abstimmen wenn man draußen ist). Man muss es nur wollen.
Wenn man lieber keinen Fußbreit nachgibt und dafür ein Jahr lang nicht von der Stelle kommt, dann soll man halt den BPT anfechten.
Was mir aber bislang an den Piraten gefallen hat waren eben immer diese kreativen Problemlösungen.
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