Leben gegen Eigentum - "Piraten" für die Todesstrafe?
Im Zusammenhang mit diesem Blogpost bei Udo Vetter entsponn sich in der virtuellen Hafenkaschemme der Piratenpartei, der "Aktiven-Mailingliste" eine Diskussion, im Rahmen derer ein Mindset und ein Menschenbild Einiger ans Licht kam, welches mich auf mehreren Ebenen nachhaltig irritiert zurücklässt. Da wird schulterzuckend gesagt, das man dem "lowlife" keine Träne nachweinen wird wenn er draufgeht, da wird verlangt, das man sich, ohne Abwägung einer Verhältnismäßigkeit zu wehren dürfen hat und wenn der Gegenüber dann verreckt, dann ist das eben so, auch wenn der nur meine Geldbörse gerippt hat.
Man hat sich (im Rahmen dieser Diskussion) unter den dortigenTeilnehmern offenbar mehrheitlich geeinigt, das es schon OK ist, wenn so ein "lowlife" draufgeht, weil ein Renter ohne konkrete Gefahr für sein Leib und Leben den halt abknallt. Schließlich gibt die aktuelle Rechtslage das her, Notwehr geht auch bei Eigentum, Verhältnismäßigkeit muss nur der Staat, aber nicht der Hobbyjäger wahren und wenn der "lowlife" mit dem Geldbeutel noch nicht um die Ecke ist, "dauert" der Angriff auch noch an, also Feuer frei. Der Typ verreckt? Egal, war doch nur ein lowlife, lebensunwert, menschlicher crap halt.
Mir ist als Hobbyjurist die rechtliche Lage durchaus klar und ich kann anerkennen, das man juristisch aktuell einen Menschen töten "darf", auch wenn der nur mit meinem Ersparten um die Ecke rennt. Mich widert aber das in dem Zusammenhang an den Tag gespülte Mindset Einiger an, die andere Menschen als "lowlifes" abqualifizieren und denen es am Arsch vorbeigeht wenn der Ladendieb halt verreckt. Warum dann eigentlich nicht gleich die Todesstrafe fordern? Ob nun der Rentner den "lowlife" abknallt oder der Staat ihn grillt, is doch egal. War ja nur ein "lowlife".
Ich halte das Recht zu Leben für das höherwertige, wenn nicht das Rechtsgut, auch wenn das bedeutet, das ein Rentner wegen geklauter 2 k€ die Polizei rufen muss, statt den Vorderlader unterm Schaukelstuhl vorzuholen. Unabhängig von juristischen Detailfragen finde ich die Unterscheidung von Menschen in "lowlifes" und Nicht-"lowlifes", in offenbar lebenswerte und solche um die es nicht schade ist, wenn sie halt draufgehen, widerlich und verachtenswert.
Ich lehne ein solches Menschen- und Gesellschaftsbild ab. Und ich schreibe das hier auch nur, damit nicht der Eindruck entsteht, diese Unterscheidung in lebenswertes und lebensunwertes Leben sei unter Piraten stillschweigend geduldet oder gar anerkannt. Schlimm genug, das man diese Selbstverständlichkeiten betonen oder dokumentieren muss.
Ach, erwähnte ich, das einer der Protagonisten, die Menschen entsprechend "einteilen", ausgerechnet der allseits bekannte Bodo Thiesen ist? I am Jack's complete lack of surprise.

03/08/2011 um 14:49 Permalink
Was auf der Aktiven-Mailingliste geschrieben wird, kann man getrost ignorieren. Es hat Null Relevanz.
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03/08/2011 um 18:30 Permalink
Und den Leuten, die für keine Verhaltnismäßigkeit plädiert haben, möchte ich gerne die Einführung von Kopfgeldjägern für die Contentmafia empfehlen ;)
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