Wie das mit dem "Kein Fußbreit" nicht funktioniert.

Klaus Peukert » 28 März 2012 » in Piraten »

Jeder hat eine zweite, dritte oder vierte Chance verdient. Selbstverständlich auch Boris T., der vor etwa nem halben Jahr nach einem "Atombombe auf Palästina"-Tweet sein Amt im Münchener Kreisvorstand der Piraten aufgeben musste. Dazu ist aber notwendig, das man den Scheiß aus älteren und jüngern Tagen ablegt. Das man erkennt, wie tief man ins Klo gegriffen hat und durch sein Handeln deutlich macht, das das Teil einer Vergangenheit ist, die man abgelegt hat.

Die Androhung einer Verleumdungsklage gegen "Kritiker" ist da sicher alles andere als hilfreich. Alle Kritiker pauschal als "Trolle" hinzustellen führt nicht dazu, das man jemandem eine Läuterung abnimmt. Boris' Timeline auf Twitter der letzten 24h erst Recht nicht. Die Antifa als "verpeilte antisemitische Fickerschweine" hinzustellen auch nicht. Ebensowenig ist es hilfreich, "Pseudopazifistische Antifa-Scheiße" blöd zu finden, wenn man nicht als Naziarschloch wahrgenommen werden möchte.

Lieber Boris: Ich kenne Dich nicht persönlich, ausser zwei oder drei Sätzen zum Liquid Feedback-Workshop haben wir nicht miteinander gesprochen. Ich weiß nicht wie Du persönlich tickst. Ich kann und will Deine tatsächliche Persönlichkeit nicht beurteilen. Es wäre auch egal, was ich denke. Denn das Bild, was Du selbst von Dir in der Öffentlichkeit zeichnest, ist das Bild eines rassistischen Misanthropen, der hauptsächlich rassistische und rechte Nazi-Kackscheiße produziert.

Es ist völlig egal ob Du das tatsächlich bist, ob Du Dir dessen überhaupt bewußt bist oder es Dir egal ist, ob Du nur "trollen" und provozieren willst oder ob Du nur einfach so empathiefrei bist, das Du nicht merkst, wie Du "rüberkommst": Du wirst vom Rest der Welt als rassistischer Kackscheißer wahrgenommen. Und daran ist genau einer schuld: Du. Du hast offenbar aus dem Fail, der zu Deinem Rücktritt in München führte, nichts gelernt.

Ohne einen glaubhaften und nachvollziehbaren Lernprozess aber wird sich Dein Bild in der Öffentlichkeit nicht ändern und Du mit den Konsequenzen Deiner Handlungen und Deines Auftretens leben müssen. Auch damit, das man dich weiter für ein rassistisches Arschloch hält.

Lieber Landesvorstand Bayern: Mir ist klar, das ihr Boris besser kennt als ich und sicher auch Informationen habt, die mir und dem Rest der nun so wütenden Partei nicht vorliegen. Vielleicht sind die sogar so gut, das Eure Entscheidung letztlich gerechtfertigt sein könnte. Ich weiß es nicht. Und solange ihr uns mit Eurem "Er hats eingesehen und jetzt entschuldigt Euch gefälligst bei dem armen Buben" quasi den nackten Arsch ins Gesicht haltet, wird sich daran auch nichts ändern.

Es ist Eure Aufgabe, diese mehr als unpopuläre Entscheidung zu rechtfertigen. Und das nicht im Rahmen Eures Tätigkeitsberichtes bei der nächsten Wahl, sondern hier und jetzt. Den Mitgliedern Eures Landesverbandes gegenüber, die nun Teil eines "Rassisten-LVs" sind, wie es teilweise heißt. Allen anderen Piraten, die nun plötzlich Mitglied einer Partei sind, die "Rassisten in Ämter" hebt. Das ist eure Bringschuld.

Es ist völlig egal ob die Anschuldigungen gegen Boris völlig oder auch nur annähernd korrekt sind. Es ist auch egal, wenn sie völlig haltlos sind. Sie stehen im Raum und Eure Entscheidung ist daran schuld. Und ihr macht bisher nichts, um das aufzu- und erklären. Klärt das auf. "Er hat es eingesehen" ist keine Aufklärung. "Ich hab nen Blogpost geschrieben" ist keine Aufklärung.

Einen Tag nachdem die Berliner AGH-Fraktion ihre Teilnahme am "Internationalen Tag gegen Rassismus" dazu aufrief, Rassisten entgegen zu treten, twitterte Boris, das er viel lieber "linken [..] Vollpfannen wie euch" entgegentreten wolle. Und zwei Tage später adelt ihr dieses Verhalten mit Eurem Beschluß. Das ist mit "irritierend" wohl noch viel zu diplomatisch umschrieben.

Eure Entscheidung läßt mich ratlos zurück. Entweder fehlt Euch jegliche Empathie für politische Entscheidungen und ihre Auswirkungen, oder es war Euch völlig klar was ihr da tut und ihr habt prinzipienreitend und unpolitisch entschieden, einfach weil es geht, ohne die politischen Implikationen Eurer Entscheidung zu bedenken. Oder es war Euch egal. Oder ihr teilt Boris' Ansichten. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, welche der Optionen die Schlimmere ist.

Boris hat in den letzten Stunden gezeigt, das er offenbar in keinster Weise verstanden hat wo das Problem liegt und was er ändern muss, damit es dieses Problem nicht mehr gibt. Oder das er es zwar weiß, es ihm schlicht scheißegal ist. Es ist jetzt Eure Aufgabe, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Oder mit den Konsequenzen zu leben.

Kein Fußbreit.

Piraten, ihr vermeintliches Naziproblem und ich

Klaus Peukert » 20 März 2012 » in Piraten »

Man hat mich per Mail zu meiner Position und Meinung zu Nazis, Rechtsauslegern und sonstigen abseitigen Denkern in der Piratenpartei gefragt und meine Antwort war zu lang, um sie nicht parallel ins Blog zu werfen. Ich habs nur leicht redigiert und paar nach Senden bemerkte Typos korrigiert.

Vorneweg meine bisherigen Texte zum Thema (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Allgemein trifft dieser Beitrag von mir und der Beitrag vom Holler aus Hamburg meine "Großgemütslage" ganz gut. Wir haben kein wirkliches "Naziproblem". Ja, es gibt Spinner, vom handfesten Braunen und "Reichsausweis-Esoteriker" über empathiefreie Geschichtslaien wir Herrn Thiesen und einzelne (vermeintlich geläuterte) Ex-NPDler. Das ist alles nicht das eigentliche Problem, das man sich einen Spinner "eintritt" kann man nicht wirksam verhindern.

Das Problem ist unser Umgang damit. Wir relativieren und verharmlosen das massiv, es wird sich gänzlich unpolitisch auf "Meinungsfreiheit" und rechtliche Dinge ("Eine Verweigerung der Mitarbeit ist nicht erlaubt, weil wir eine Mitmachpartei sind") zurückgezogen, statt politisch zu handeln und hinzustellen mit "Nazikram hat bei uns keinen Platz". Wir geben solchen Leuten naiv Posten und Funktionen, wählen sie in Ämter, hätscheln sie mit "Aber er engagiert sich doch so fleißig" und schaffen es nicht, eine innerparteiliche Atmosphäre zu schaffen, in der sich "Rechtsausleger" nicht wohl fühlen.

Weiterhin sind wir zu dämlich, uns einfach mal klar und deutlich von Nazis zu distanzieren, ohne gleichzeitig auch "Linksextreme oder Extremismus jeder Art" abzulehnen (vgl. auch diesen großartigen Text zu dem Thema!). Wir haben Leute in Vorständen, die der "Hufeisentheorie" das Wort reden (LV Sachsen) und die Vorsitzender eines Vereins sind, der "gesunden Nationalismus" fördern will (KV Dresden) usw. Es ist ja kein Wunder, das sich die Konkurrenz mit Wonne auf diese vermeintliche Doppelmoral stürzt und es uns genüßlich unter die Nase reibt. Die Konkurrenz hat ja Recht.

Wenn der Vorstand, wie auf dem BPT in Chemnitz geschehen, Bodo Thiesen hochoffiziell lobt, weil er irgendein IT-Problem gefixt hat, dann ist doch nur naheliegend, das sich ähnliche Kleingeister von dieser ach so "liberalen und freiheitlichen" Haltung angezogen fühlen, wie Schmeißfliegen von einem braunen Haufen. Wir haben klare Aussagen in Satzung und Programm, die eine prima Ausgangslage wären. Stattdessen müssen sich die "Piraten gegen Rechts" rechtfertigen, wenn sie zur Unterstützung von Dresden Nazifrei aufrufen, weil Nazis ja auch Rechte haben, Blockaden verboten sind und überhaupt.

Bevor ich mich weiter in Rage schreibe: Die Piraten haben kein Naziproblem aber ein Problem im Umgang mit Nazis. Die vorhandenen Positionen aus Satzung und Programm müssen sich endlich im politischen Handeln auch tatsächlich zeigen. Auf diese Weise muss rechten Spinnern der Parteiboden unter den Füßen weggezogen werden.

Keine Ämter, keine Funktionen, keine Beauftragungen, keine Kekse.

Kein. Fußbreit

Liquid Feedback - Aktueller Status Operation Cleanup / Support / Einladungen

Klaus Peukert » 16 März 2012 » in Piraten »

Operation Cleanup

Aktuell wartet die Mitgliederverwaltung auf eine letzte Rückmeldung von der Clearingstelle. Sobald diese Rückmeldung da ist (vermutlich: heute/im Laufe des Wochenendes) wird die Liste der auf Grund der Operation CleanUp zu versendenden Ersatzschlüssel und zu sperrenden Accounts finalisiert und über die Clearingstelle an die Admins übermittelt. Damit ist Operation CleanUp zu Beginn der KW 12(pünktlich zum Frühlingsanfang) abgeschlossen. Danach werden  auch die (die Mitgliederverwaltung betreffenden) beim Bundesvorstand eingereichten Fragen beantwortet und die Antworten hier veröffentlicht.

Support

Zwischen Mitgliederverwaltung und Vorstand/Generalsekretär wurde ein modus operandi gefunden, der es erlaubt auch ohne direkten Zugriff auf die neue SAGE-Software Piraten defekte/verlorene Referenzschlüssel zu ersetzen. Ersatzschlüssel werden entweder direkt durch die Mitgliederverwaltung oder über die Stapelverarbeitung in der neuen SAGE-Software durch den Generalsekretär verschickt (immer donnerstags).

Einladungen

Hier ist seitens der LQFB-Mitgliederverwaltung beabsichtigt, in einem ähnlichen modus operandi, wie beim Support, dem Generalsekretär zuzuarbeiten, so das dieser die Neueinladungen verschicken kann (wieder: jeden Donnerstag).

Zeitplanung

Geplante Deadline für die Abarbeitung offener Supportfälle und Einladung von Neumitgliedern ist der 6.4.2012 (Karfreitag). Bis dahin wollen wir jedem wartenden Piraten eine Einladung bzw. einen Ersatzreferenzschlüssel zukommen lassen.

Kandidateninterview

Klaus Peukert » 13 März 2012 » in Piraten »

Die Flaschenpost hat mich zu meiner Kandidatur für den Bundesvorstand interviewt. Ich bin nicht völlig unzufrieden, auch wenn einem die geschliffene(re)n Formulierungen dann natürlich erst danach einfallen. 

Viel Spaß beim Hören. Wählt Quimby!

Die Piratenpartei, ihr LiquidFeedback und ich (Reprise)

Klaus Peukert » 12 März 2012 » in Piraten »

Weil ich oft gefragt werde und es einen Bedarf an diesen Informationen gibt, hier der relevante Auszug eines Chatlogs bzgl. meiner Rolle im/am Bundesliquid, der noch nicht abgeschlossenen Operation Cleanup und diversen anderen Imponderabilien, die im Moment viele Leute unglücklich machen. Es ist keine Lösung, aber vielleicht hilft dem einen oder anderen auch, einfach Bescheid zu wissen. Here we go:

tarzun: mein aktueller status ist imer noch http://tarzun.de/archives/364-Die-Piratenpartei,-ihr-LiquidFeedback-und-ich.html - also nur "mitgliedsverwalter"
tarzun: die "exekutive projektverwaltung" ist nie offiziell beschlossen worden und würde wohl auch keine entscheidungsbefugnisse umfassen
tarzun: im BuVo sind Wilm und Afelia die "Verantwortlichen", beide haben mit SAGE (Wilm) und "Medien/Studium" (Afelia) bis obenhin zu tun und vor NMS garantiert keine Zeit da noch was zu "reißen"
tarzun: das bugfix-update werden wir aber im märz wohl noch machen, wenn cleanup "durch ist"
tarzun: bei cleanup fehlt es an genau einem: der letztlichen sperrung der zu sperrenden accounts
tarzun: das ist noch nicht passiert, aus den gründen die im LF-Blog stehen. kurz: ich muss ungefähr 30 Leute aus der eigentlichen sperrliste rauspopeln und eine neue über die Clearingstelle an Ingo schicken
tarzun: und an dem rauspopeln hängts, weil mich die volle breitseite des SAGE-Updates getroffen hat und ich da immer noch keinen Acc hab
tarzun: den bekomme ich aber mittwoch, ich hab vorhin mit WIlm telefoniert, wo es klemmt und es [lag an einem missverständnis], das das trotz auftrag verbaselt wurde, mir den zugang auch zu zeigen und nicht nur anzulegen
tarzun: der plan ist aktuell: zugang bekommen, leute rauspopeln, cleanupliste vershcicken, leute sperren (lassen), update einspielen, support-backlog abarbeiten
tarzun: deadline ist so, das das support-backlog rechtzeitig vor den liquid-abstimungen der Anträge fürn BPT2012.1 erledigt ist, so das jeder der will drin und jeder nicht reingehört draußen ist
tarzun: cleanup selber wurde erst ende oktober '11 gestartet, nachdem ingo und ich das vorbereitet, den rücklauf hab ich, ende november erhalten und um vor weihnachten ins civi eingearbeitet.
tarzun: dann kam mein weihnachtsurlaub und nach dessen ende kam das "civigate", als das civi a) ne weile weg war und b) auf den 24.11 rollbacked wurde. ich hab dann cleanup nochmal "durchgführt" und die keys übermittelt nud den leuten die ersatzkeys geschickt
tarzun: es gab dann etwa 30 tatsächlich plausible rückmeldungen, die versicherten, das der account einwandfrei funktioniert und die keinen neuen wollen. ich hab dann nachgeschaut [...] das wir da nix verwechselt haben
tarzun: und konnte das auf "sehr wahrscheinlich user error" zurückführen und wir haben uns dann entschieden das nicht "durchzuziehen", sondern die leute manuell "nicht zu sperren", also ne neue liste zu machen
tarzun: womit sich der kreis schließt, weil [...] das SAGE noch nicht (für mich) verfügbar war und ich änderungen (rücktausch der keys) auch nicht im Civi machen konnte

Und nun, liebe Zuhörer, kennt ihr die wahre Geschichte.

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