Wie das mit dem "Kein Fußbreit" nicht funktioniert.
Jeder hat eine zweite, dritte oder vierte Chance verdient. Selbstverständlich auch Boris T., der vor etwa nem halben Jahr nach einem "Atombombe auf Palästina"-Tweet sein Amt im Münchener Kreisvorstand der Piraten aufgeben musste. Dazu ist aber notwendig, das man den Scheiß aus älteren und jüngern Tagen ablegt. Das man erkennt, wie tief man ins Klo gegriffen hat und durch sein Handeln deutlich macht, das das Teil einer Vergangenheit ist, die man abgelegt hat.
Die Androhung einer Verleumdungsklage gegen "Kritiker" ist da sicher alles andere als hilfreich. Alle Kritiker pauschal als "Trolle" hinzustellen führt nicht dazu, das man jemandem eine Läuterung abnimmt. Boris' Timeline auf Twitter der letzten 24h erst Recht nicht. Die Antifa als "verpeilte antisemitische Fickerschweine" hinzustellen auch nicht. Ebensowenig ist es hilfreich, "Pseudopazifistische Antifa-Scheiße" blöd zu finden, wenn man nicht als Naziarschloch wahrgenommen werden möchte.
Lieber Boris: Ich kenne Dich nicht persönlich, ausser zwei oder drei Sätzen zum Liquid Feedback-Workshop haben wir nicht miteinander gesprochen. Ich weiß nicht wie Du persönlich tickst. Ich kann und will Deine tatsächliche Persönlichkeit nicht beurteilen. Es wäre auch egal, was ich denke. Denn das Bild, was Du selbst von Dir in der Öffentlichkeit zeichnest, ist das Bild eines rassistischen Misanthropen, der hauptsächlich rassistische und rechte Nazi-Kackscheiße produziert.
Es ist völlig egal ob Du das tatsächlich bist, ob Du Dir dessen überhaupt bewußt bist oder es Dir egal ist, ob Du nur "trollen" und provozieren willst oder ob Du nur einfach so empathiefrei bist, das Du nicht merkst, wie Du "rüberkommst": Du wirst vom Rest der Welt als rassistischer Kackscheißer wahrgenommen. Und daran ist genau einer schuld: Du. Du hast offenbar aus dem Fail, der zu Deinem Rücktritt in München führte, nichts gelernt.
Ohne einen glaubhaften und nachvollziehbaren Lernprozess aber wird sich Dein Bild in der Öffentlichkeit nicht ändern und Du mit den Konsequenzen Deiner Handlungen und Deines Auftretens leben müssen. Auch damit, das man dich weiter für ein rassistisches Arschloch hält.
Lieber Landesvorstand Bayern: Mir ist klar, das ihr Boris besser kennt als ich und sicher auch Informationen habt, die mir und dem Rest der nun so wütenden Partei nicht vorliegen. Vielleicht sind die sogar so gut, das Eure Entscheidung letztlich gerechtfertigt sein könnte. Ich weiß es nicht. Und solange ihr uns mit Eurem "Er hats eingesehen und jetzt entschuldigt Euch gefälligst bei dem armen Buben" quasi den nackten Arsch ins Gesicht haltet, wird sich daran auch nichts ändern.
Es ist Eure Aufgabe, diese mehr als unpopuläre Entscheidung zu rechtfertigen. Und das nicht im Rahmen Eures Tätigkeitsberichtes bei der nächsten Wahl, sondern hier und jetzt. Den Mitgliedern Eures Landesverbandes gegenüber, die nun Teil eines "Rassisten-LVs" sind, wie es teilweise heißt. Allen anderen Piraten, die nun plötzlich Mitglied einer Partei sind, die "Rassisten in Ämter" hebt. Das ist eure Bringschuld.
Es ist völlig egal ob die Anschuldigungen gegen Boris völlig oder auch nur annähernd korrekt sind. Es ist auch egal, wenn sie völlig haltlos sind. Sie stehen im Raum und Eure Entscheidung ist daran schuld. Und ihr macht bisher nichts, um das aufzu- und erklären. Klärt das auf. "Er hat es eingesehen" ist keine Aufklärung. "Ich hab nen Blogpost geschrieben" ist keine Aufklärung.
Einen Tag nachdem die Berliner AGH-Fraktion ihre Teilnahme am "Internationalen Tag gegen Rassismus" dazu aufrief, Rassisten entgegen zu treten, twitterte Boris, das er viel lieber "linken [..] Vollpfannen wie euch" entgegentreten wolle. Und zwei Tage später adelt ihr dieses Verhalten mit Eurem Beschluß. Das ist mit "irritierend" wohl noch viel zu diplomatisch umschrieben.
Eure Entscheidung läßt mich ratlos zurück. Entweder fehlt Euch jegliche Empathie für politische Entscheidungen und ihre Auswirkungen, oder es war Euch völlig klar was ihr da tut und ihr habt prinzipienreitend und unpolitisch entschieden, einfach weil es geht, ohne die politischen Implikationen Eurer Entscheidung zu bedenken. Oder es war Euch egal. Oder ihr teilt Boris' Ansichten. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, welche der Optionen die Schlimmere ist.
Boris hat in den letzten Stunden gezeigt, das er offenbar in keinster Weise verstanden hat wo das Problem liegt und was er ändern muss, damit es dieses Problem nicht mehr gibt. Oder das er es zwar weiß, es ihm schlicht scheißegal ist. Es ist jetzt Eure Aufgabe, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Oder mit den Konsequenzen zu leben.
Kein Fußbreit.
