Sammelanträge, als ob Fussball-WM wäre - Keine demokratische Glanzleistung
Ein Gastbeitrag von @RiloKiley1:
tldr; Sammelanträge arbeiten viele Anträge ohne Debatte schnell ab, müssen aber von der neutralen Antragskommission auf einer größeren Basis zusammengesetzt und nicht von einzelnen Antragsstellern eingereicht werden.
Das Misstrauen gegenüber der Antragskommission ist groß. Wir haben über 1h über die Tagesordnung in Neumarkt debattiert, welche Anträge wir um welche Uhrzeit und in welcher Reihenfolge behandeln, um dann in kürzester Zeit wie im Deutschen Bundestag zu einer Fussball-WM die einzelnen Module durchzuwinken. Man kann es jetzt als schnell, effizient oder als naiv, unkritisch betrachten, was da vor sich ging.
Angefangen hat die Geschichte mit einem Schulterschluss-Antrag in Bochum. Die Versammlung der PolGF aller Länder hat damals beschlossen den Schulterschluß-Antrag zu unterstützen und damit einen großen Hack auf die Tagesordnung durchzuführen. Die Befürworter sagen, dass durch die Änderung der TO der Antrag X in unser Wahlprogramm und das somit positiv für uns ist, erwähnen aber nicht dass durch den Hack Antrag Y aus dem Wahlprogramm gefallen ist, weil dieser nicht mehr behandelt werden konnte.
Eine Änderung der TO ist also immer ein fieser Hack gegen die TO und damit auch gegen all die Leute, die versucht haben ihre Anträge auf dem üblichen Weg auf die TO zu bringen. Wenn also mehr Piraten nur Eigeninteressen verfolgen und ihre Anträge durch eine Änderung der TO nach vorne zu hieven, dann darf man so etwas nicht gut heissen, so meine Meinung.
Viele waren mit dem Ergebnis der Umfragen unzufrieden, weil konkurrierende Anträge drin waren, wiederum gab es hier und da Lücken, zudem fehltem einigen wiederum paar Anträge, die es nicht rechtzeitig geschafft haben an der Umfrage teilzunehmen. Nun wurden verschiede Sammelanträge gebastelt, wo mal hier der Antrag von Spitzenkandidaten, mal hier ein Antrag der im Liquid war, etc. hinzugefügt wurde.
Allein die Tatsache, dass basierend auf der LimeSurvey Umfrage einige Anträge es nicht in die Sammelanträge geschafft haben, dafür auf dem Bundesparteitag mit großer Mehrheit angenommen wurde, sowie in der Vergangenheit schon öfters bewiesen wurde, dass Anträge, die im Liquid mit über 90% angenommen wurde, aber auf dem BPT abgelehnt wurden, so muss man auch die Stabilität der kleinen LimeSurvey von 500 Teilnehmern in Frage stellen.
Warum gibt es nun verschiedene Einzelanträge? Wer die AGs kennt, weiss dass aus diesen selbstgegründeten AGs mit teilweise selbsternannten Koordinatoren vorsichtig gesagt einige auch sehr eigensinnig handeln. Diese tuen alles um ihren eigenen Antrag voranzubringen und berücksichtigen dabei nicht die anderen AGs. So gibt es immer wieder Änderung der TO wie in Neumarkt die AG Aussenpolitik.
Mit einem weiteren GO-Hack hieven sie einen Antrag aus dem Tiefen der LimeSurvey Umfrage des Bundes, der sie niemals auf die TO gebracht hätte, auf die TO, indem sie ihren Antrag konkurrierend zu einem anderen Antrag gebracht haben der auf der TO liegt. Es gibt kaum ein eigensinnigeres Handeln als dieses, weil man nicht akzeptieren will, dass sein eigener Antrag nicht auf die TO geschafft hat. Dass dadurch ein anderer Antrag der AG Entwicklungspolitik nicht mehr behandelt wurde, der sich auf normalen Wege qualifziert hat, interessiert diese ja nicht.
Vor/Nachteile einer Debatte auf dem BPT? Vorteil: Erst in einer Debatte bekommt man die wichtigsten Pro/Contra Argumente zur Meinungsbildung. Nicht jedem fallen alle Argumente beim eigenständigen Studieren ein und nicht jeder hat vor dem BPT die Zeit mit allen Anträgen in Diskurs zu gehen. Nachteil: Es kostet Zeit.
Wie nun in Zukunft verfahren?
Der Prozess muss also in neutrale Hände gelegt werden, denn ich habe deutlich mehr Vertrauen in die Antragskommission als in die einzelnen Antragssteller, die ihre Pakete u.a. mit Eigeninteressen schnüren. Die Basis der LimeSurvey Umfrage sollte diesmal auf der LimeSurvey Umfrage des Bundes basieren. Natürlich musste man vorher die Anträge auch konkurrierende so zur Umfrage stellen, dass man hinterher sagen kann, wir tuen alle Anträge über 80% zum Beispiel in ein Paket und geben diese ohne Debatte der Versammlung einzeln zur Abstimmung.
Werden sie abgelehnt, kommen sie in die normale TO zur Debatte. So kann jeder vorher darauf vorbereiten, dass es möglicherweise keine Debatte zu dem Antrag gibt. Wenn man Gegenargumente trotzdem findet, kann man vorher noch dafür werben diesen Antrag abzulehnen, so dass er noch in eine Debatte kommt. Hört auf Eigeninteressen zu verfolgen und durch Änderung der TO eure eigenen Anträge auf die TO bringen.
Das ist höchstgradig unfair und darf keine Schule machen, ansonsten droht der absolute TO-Änderungs-Chaos wenn alle so eigensinnig handeln. Und die Versammlung darf solche GO-Änderungen nicht honorieren. Ihr stellt die Neutralität der Antragskommission bei der Zusammenstellung der TO in Frage, aber winkt dann ganze Sammelantragspakete von einzelnen Antragsstellern unkritisch durch. Ihr solltet überprüfen was ihr wirklich kritisch beäuigen müsstet und wem ihr mehr Vertrauen schenken solltet.
Funfact: Zwar wurde der Europa-Six-Pack als Modul beim Sammelantrag abgelehnt, wurde hinterher in der Debatte aber angenommen und hat damit eine größere demokratische Legitimation.
Ergänzung von tarzun: Im angenommenen Sammelantrag sind sogar Einzelanträge aufgenommen, deren Antragsteller davon erst nachm BPT erfahren und vorher weder gefragt noch informiert worden. Ostereier mal ander5.
